Mittwoch, 17. Oktober 2018

Buchtipp Der Mann, der die Hidden Champions entdeckte

Entdecker der Hidden Champions: Prof. Hermann Simon
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Entdecker der Hidden Champions: Prof. Hermann Simon

Sie trafen sich 1987 im Hotel Breidenbacher Hof in Düsseldorf: Harvard-Professor Ted Levitt und Professor Hermann Simon, damals Direktor des Universitätsseminars der Wirtschaft (USW) auf Schloss Gracht. Der berühmte Levitt wollte von dem noch nicht ganz so berühmten Simon wissen: "Warum sind die Deutschen im Export so erfolgreich?" Simon trieb die Frage noch lange um. "Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Konnten es die mittelständischen Marktführer sein, die die außergewöhnliche Exportleistung der deutschen Wirtschaft erklären?"

Buchtipp

Hermann Simon: Zwei Welten, ein Leben - Vom Eifelkind zum Global Player

Campus Verlag, 352 Seiten, 32,00 Euro

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Simon gab diesen meist unbekannten Weltmarktführern den Namen "Hidden Champion". Erstmals verwendete er diesen Begriff im September 1990 in einem Aufsatz in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft. 1996 folgte dann das Buch Hidden Champions. Lessons from 500 of the World's Best Unknown Companies. Inzwischen ist der Bestseller in über 35 Sprachen übersetzt - und Hermann Simon weltberühmt.

Diese Anekdote und seinen Aufstieg zu einem führenden Management(vor)denker hat Simon in seinem neuen Buch beschrieben: "Zwei Welten, ein Leben - Vom Eifelkind zum Global Player". Darin erfährt man viel über den Menschen Simon: Den faulen Schüler, den verhinderten Starfighter-Piloten, den fleißigen Studenten, den umtriebigen Professor, den mutigen Unternehmensgründer, den Vielschreiber (er war lange Jahre Kolumnist des manager magazin) und den globetrottenden Vortragsreisenden. Offen ("Ich war für mein ungeschicktes Verhalten gegenüber Frauen bekannt") und ehrlich ("Eher unangenehm war die Erkenntnis, wie schlecht ich Englisch sprach") beschreibt der 71-Jährige sein sehr abwechslungsreiches Leben zwischen seinem Heimatdorf Hasborn und der großen, weiten Welt.

Ein Buch im amüsanten Plauderton. Viele Passagen hat er in sein Diktiergerät gesprochen. Doch es ist keine Anekdotensammlung und auch keine reine Autobiographie. Es ist auch ein Buch über die deutsche Nachkriegszeit, in der Hermann Simon groß geworden ist. Es ist ein Buch über die Globalisierung, die Simon (vor)lebte. Erst trieb es ihn in die USA, dann nach Fernost. "Asien entwickelte sich zu einer späten Liebe". Und es ist auch ein Buch über sein Lieblingsthema Pricing, auf dem der Erfolg seines inzwischen global operierenden Beratungsunternehmens Simon + Kucher & Partners basiert, und die großen Management-Gurus, die er alle kannte: Von Peter F. Drucker über eben Ted Levitt bis hin zu Michael Porter.

Am Schluss - im ratschlagenden Kapitel "Schule des Lebens" - entlarvt sich Simon als ein disziplinierter und gut organisierter Arbeiter, der schon auf dem Rückflug von Dienstreisen seine Reisekostenabrechnungen macht, der seine drei Büros (in der Firma, in Bonn und zu Hause in der Eifel) der Einfachheit halber identisch eingerichtet hat, der stets in denselben Läden einkauft, dieselben Hotels und Fluglinien benutzt, und der keinen Alkohol trinkt. Die Abstinenz hat ihn einst Miele-Mitinhaber Peter Zinkann gelehrt: "Sie dürfen das erste Glas nicht trinken". Und ganz wichtig: "Mit Ernährung kann man Unglaubliches bewirken," sagt der schlanke Hüne und empfiehlt, die Entstehung von Heißhunger zu vermeiden und zwischendurch immer mal wieder einen Riegel einzuschieben statt abends sich den Bauch voll zu hauen.


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Dank dieser preußischen Disziplin kann er immer noch in extenso das tun, was er am liebsten tut: Reisen und Reden. "Der Rolle des travelling poet gefällt mir", schreibt er und druckt zum Beweis Stationen eines ganz normalen Reisemonats ab: Seoul-Tokio-Beijing-Houston-Dallas-Boston. Aber immer kommt er gerne dorthin zurück, wo er herkommt: In sein altes Bauernhaus in der Eifel. "Fernweh und Heimweh sind für mich kein Widerspruch, sondern zwei Seiten meiner Person. Aufbruch und Heimkehr gehören zu den schönsten Momenten jeder Reise."

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