Sonntag, 17. Dezember 2017

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Neun Thesen für eine neue Wirtschaft Warum Unordnung eine Voraussetzung für Erfolg ist

Alles mal umkrempeln: Der Wunsch nach Vereinheitlichung ist der größte Feind der Weiterentwicklung.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie an Wirtschaft denken? Vielleicht an Fabriken oder Bürotürme? An Zahlen und Bilanzen? Oder an Menschen, die jeden Tag wie Ameisen durch U-Bahn-Schächte oder verstopfte Straßen in ihre Büros krabbeln und am Abend wieder zurück?

Das liegt nahe. Doch es zeigt auch ein Problem. Unser Verständnis von Wirtschaft und Arbeit klebt immer noch an der Vergangenheit. Aber diese Ära ist vorbei. Und zwar endgültig. Ein für alle Mal. Irreversibel. Wirtschaft wandelt sich ebenso, wie die Welt, die Menschen und das Denken sich wandeln. Und das bedeutet: Wirtschaft muss von jeder Generation neu erfunden werden.

Deshalb stellen wir Fragen: Was erfordert Wirtschaft heute? Welche Überzeugungen der Vergangenheit müssen wir dringend ablegen, und welchen neuen Herausforderungen müssen wir uns stellen? Welche Rolle kann Wirtschaft in unserer Welt heute spielen? Und was wird dadurch freigesetzt?

Mit unseren Thesen in unserem "Manifest für Andersdenker" wollen wir Menschen, Unternehmen, die Wirtschaft zur Veränderung anstiften. Denn Wirtschaft ist Veränderung - und ohne Veränderung ist Wirtschaft nichts.

§ 1: Wirtschaft heißt Andersdenken

Buchtipp
Dieser Text ist ein Auszug aus folgendem Buch:
Anja Förster und Peter Kreuz
Zündstoff für Andersdenker: Management-Bestseller-Autoren liefern Zündfunken für Andersdenker

Murmann Publishers, 172 Seiten, Juli 2017, 24,90 Euro
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"Was darf's denn heute sein?" "Bitte 100 Gramm Benchmarking, 150 Gramm Best Practices und noch ein Stückchen Blaupause für den Erfolg von morgen und eine Scheibe Perfekter Chef. Ach, und wenn Sie mir auch noch die 10 Gebote für erfolgreiche Innovatoren einpacken würden. Das können Sie alles in eine Tüte tun. Danke schön." Stopp! Patentrezepte in Erfolgsbibeln gepresst und als Schritt-für-Schritt- Anleitung zum Nachbauen vermarktet - das ist absoluter Blödsinn. Erfolg lässt sich nicht beim Berater um die Ecke einkaufen. Zukunftweisende Ideen lassen sich nicht schön vorsortiert, exakt abgewogen und hübsch verpackt im Einkaufskorb mitnehmen. Auch wenn eine ganze Ratgeberindustrie gut davon lebt, das zu suggerieren.

Wider die geistige Schonhaltung

"Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" ist der Wahlspruch der Aufklärung - und der ist so aktuell wie je! Wir kommen nicht umhin, unsere Denkfähigkeit zu aktivieren und sie auf die Welt loszulassen: traditionelle Überzeugungen hinterfragen, konventionelle Erfolgsmuster attackieren, intellektuelle Zwangsjacken abstreifen, Denkgrenzen sprengen, neue Einsichten aufspüren, Experimente wagen, Misserfolge analysieren und wieder von vorn beginnen - und das so lange, bis der Arzt kommt.

Das Hinterfragen, Prüfen, Widerlegen und Neudenken hört nie auf.

Andersdenken ist kein Luxus, sondern lebenswichtig. Es ist wilde, tiefe und manchmal auch sehr anstrengende Denkarbeit, die uns mit uns selbst bekannt macht. Die uns aus Denkroutinen aufweckt. Die uns permanent daran erinnert, worum es eigentlich geht: Spuren zu hinterlassen und nicht nur Staub.

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