Samstag, 1. Oktober 2016

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Wissensmanagement Der Kollege, mein Lehrer

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Mitarbeiter wissen viel, und wenn sie ihr Wissen weitergeben, profitiert das ganze Unternehmen. Immer mehr Manager erkennen das und unterstützen das Lernen vom Kollegen. Doch viele schöpfen das Potential nicht aus.

Hamburg - Beim Chemiekonzern BASF surfen 40.000 Mitarbeiter in einem sozialen Netzwerk herum. Sie schreiben, klicken, kommentieren, und das während der Arbeitszeit. Und die Chefs fördern das sogar. Denn "connect.BASF" ist ein Social Intranet, eine Art konzerninternes Facebook. In fast 5000 virtuellen Gruppen tauschen Beschäftigte auf der ganzen Welt Erfahrungen aus.

Immer beliebter werden solche internen Netzwerke, Wikis oder Blogs. "Wissensweitergabe unter Kollegen spielt eine wachsende Rolle", sagt Peter Dehnbostel, Professor an der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin. Aber: "Da ist noch Luft nach oben." Um das interne Wissen effizient zu nutzen, reichen schicke Online-Tools nicht. Wichtig sind genug Zeit und ein klares Konzept.

Es gibt viele Gründe, das "Lernen vom Kollegen" zu fördern. Dass Wissen das Kapital der Zukunft ist, dürfte sich herumgesprochen haben. "Erfahrungswissen wird immer mehr, wenn man es teilt", sagt Oliver Lehnert, Leiter des Steinbeis-Beratungszentrums Wissensmanagement in Augsburg. Wegen des demographischen Wandels hätten Unternehmen immer häufiger Wettbewerbsnachteile zu befürchten, weil erfahrene Kollegen ausscheiden. Wer die Übergabe an einen Nachfolger gut organisiere, spare teure Einarbeitungszeit und vermeide Fehler. Außerdem steige die Motivation, wenn erfahrene Mitarbeiter merken, wie wertvoll sie für das Unternehmen sind.

Klare Agenda, strenge Moderation

Doch oft reicht es nicht aus, wenn das Wissen nur von einem Kopf zum anderen wandert - es muss dokumentiert werden. Und daran hapert es, sagt Florian Grolman, geschäftsführender Berater bei der Initio Organisationsberatung: "Die gebräuchlichste Technologie ist immer noch der Dateibaum." Will heißen: Eine Struktur von öffentlichen Ordnern auf der Festplatte, ungefähr so übersichtlich wie ein voll behängter Apfelbaum. Das Passende finden und erkennen, wer es abgespeichert hat: Schwierig bis unmöglich. Ähnlich ist es mit E-Mails. Grolman empfiehlt stattdessen ein internes Wiki: Wie bei der bekannten Online-Enzyklopädie kann jedermann Artikel schreiben, andere können die Änderungen nachverfolgen.

Einen Schritt weiter gehen Unternehmen mit Plattformen wie Share Point von Microsoft. Dort kann man Dokumente teilen, kommentieren, es gibt Funktionen zum Austausch. Der nächste Schritt sind interne soziale Netzwerke wie das von BASF. Darin finden sich Experten, von denen vorher niemand wusste, dass sie welche sind. "Marketing- und Verkaufsmitarbeiter aus der ganzen Welt nutzen das Forum, um neue Trends zu diskutieren oder einander Seminare und Literatur zu empfehlen", schreibt BASF dazu.

Solche Netzwerke könnten sich schon für Mittelständler ab etwa 100 Beschäftigten lohnen, sagt Berater Florian Grolman. Vor allem bei längeren Prozessen, etwa, wenn ein neues Produkt eingeführt werde. Wolle man allerdings nur schnell alle auf den neuesten Stand bringen, sei ein klassisches Meeting effizienter. Damit dabei auch wirklich die relevanten Informationen weitergegeben werden, solle man einige Regeln einhalten: Klare Agenda, strenge Moderation, knapper Zeitplan.

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