Freitag, 9. Dezember 2016

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Fehler im Trennungsgespräch können teuer werden Sag zum Abschied leise Servus - aber mit Respekt

Wer seine Arbeit verliert, wird das in der Regel nicht gern aus einer E-Mail oder einem Brief erfahren. Ein persönliches Gespräch ist alternativlos.

Nur äußerst selten ist der Arbeitgeber rechtlich in der Lage, sich einseitig wirksam von einem Mitarbeiter durch Kündigung zu trennen. Die Hürden des Kündigungsschutzes sind für den Arbeitgeber in Deutschland sehr hoch. Daher ist häufig einzige Trennungsmöglichkeit eine Aufhebungsvereinbarung.

Die Art und Weise des Umgangs mit dem Mitarbeiter entscheiden, ob der Trennungsprozess entweder langwierig und streitig, oder eher einvernehmlich und in überschaubarer Zeit ablaufen wird. Das erste Trennungsgespräch ist daher von besonderer Bedeutung.

Die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses ist eine höchst persönliche und regelmäßig sehr emotionale Angelegenheit. Ein persönliches Gespräch ist daher alternativlos. Das oberste Gebot lautet: Respekt! Respekt vor der schwierigen Situation des zu entlassenden Mitarbeiters, unabhängig davon, welche - vielleicht gar vom Mitarbeiter verursachte und verschuldete - Gründe den Arbeitgeber zur Trennung veranlassen. Jede Trennung verursacht für den Mitarbeiter erhebliche wirtschaftliche, emotionale und oft auch soziale Probleme, die es im Trennungsszenario zu berücksichtigen gilt. Eine unangekündigte E-Mail oder ein lapidarer Brief nach Hause, in dem der Arbeitgeber die Trennungsabsicht mitteilt, sind schwere taktische Fehler, die als Respektlosigkeit aufgefasst werden könnten und daher den gesamten Verlauf der Trennung erheblich belasten.

Wer sollte am Gespräch teilnehmen?

Der fachliche und disziplinarische Vorgesetzte des Mitarbeiters sollte das erste Gespräch alleine führen. Bei Führungskräften sollten Geschäftsführer, Vorstand oder bei Trennung von Organen der Vorsitzende des Aufsichts- oder Beirats oder der Gesellschafterversammlung das Gespräch persönlich führen. Einwände eines vollen Terminkalenders oder eines weiten Anreisewegs oder andere "Ausreden", das Gespräch nicht persönlich führen zu können, sind kontraproduktiv und ein mögliches Zeichen von Führungsschwäche, die den Trennungsverlauf beeinträchtigen können.

Ein Kardinalfehler ist es, eine nicht entscheidungsbefugte oder dem zu entlassenden Mitarbeiter bisher unbekannte Person das Gespräch führen zu lassen. Ein noch größerer Fehler ist es, zum ersten Gespräch einen Anwalt mitzubringen, oder diesen gar als alleinigen Überbringer der Trennungsbotschaft vorzuschieben.

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