Montag, 10. Dezember 2018

Wie Führung, Gesundheit und Resilienz zusammenhängen Reflection first!

Die sollten Sie vermeiden: Zehn mentale Erfolgsbremsen
DPA

Stephanie Schorp und Rebekka Reinhard
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    Rebekka Reinhard (rechts) ist promovierte Philosophin, Key Note Speaker für Unternehmen, Redakteurin der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft und Bestseller-Autorin. Zuletzt veröffentlichte sie die "Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)" und "Nachdenkzeit 2018: 365 philosophische Denkanstöße".
    Stephanie Schorp studierte Psychologie und Betriebswirtschaft. Sie führt seit zwei Jahren die Executive Placement Beratung Comites zusammen mit dem Gründer Andreas Föller. Sie verfügt über Zusatzausbildungen in Coaching, systemischer Beratung und Hypnotherapie.

"Operative Hektik ersetzt geistige Windstille": Wenn der Top-Manager eines Großkonzerns so die Unternehmenskultur und die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen beschreibt: Ist das lustig oder traurig? Vielleicht stimmt es einfach nur. Spätestens seit Erfindung des Smartphones fühlen sich die meisten (ob Vorstand oder Manager) wie im Hamsterrad, getrieben von einem Thema zu nächsten, gehetzt von einem Termin zum anderen. Nahezu alle, die man trifft und spricht, wünschen sich mehr Zeit - mehr Zeit für sich, mehr Zeit zum Nachdenken.

Warum nehmen sich die Manager nicht, was sie brauchen? Logisch: Weil es immer Wichtigeres oder Dringenderes (oder Beides!) zu geben scheint. Aber was ist wichtig? Manche ahnen, dass ihre geistig-seelischen Kräfte nicht unerschöpflich sind. Die mutigsten buchen Himalaya-Touren oder quälen sich in Zen-Seminaren. Aber nur, wenn der Aufsichtsrat gerade nicht ruft, die Boardkollegen keinen Komplott planen, der beste Mann/Frau im Team nicht zum Wettbewerb wandert oder die pubertierenden Kindern nicht gerade zu Hause verrückt spielen.

Aber erst, wenn sich zur Nackenstarre unkontrollierte Muskelzuckungen und chronische Schlafstörungen gesellen. Alternativ drückt man den Leidensdruck weg, verdrängt und jammert mit Gleichgesinnten. Dass es so nicht mehr weitergehe mit dem ewigen Druck und dem Mangel an Rückzugsmöglichkeiten. Dass man sich wünsche, mal wieder von einem Geistesblitz durchzuckt zu werden. Mal wieder bei sich zu sein.

Bloß einmal? Oder dauerhaft? Selbstfindung, Entschleunigung, Achtsamkeit. Im Management werden derartige Schlagwörter immer noch vielfach belächelt - die "Kultur" lässt es einfach nicht zu; eine Kultur, die nichts mit softer innerer Einkehr zu tun hat (und haben will), sondern mit harten facts and figures, mit messbarem, nachvollziehbarem, Mainstreamwissen, über das Einigkeit herrscht.

Resilienz
Den Begriff Resilienz (von lateinisch resilire "zurückspringen, abprallen") führte schon in den 50er Jahren Jack Bloch in die Psychologie ein. In den 60er Jahren forschte dann Norman Garmezy, später als "Großvater" der Resilienztheorie gefeiert, zu den Auswirkungen schizophrener Eltern auf die Lebenstüchtigkeit ihrer Kinder. Heute versteht man unter Resilienz vor allem die Belastbarkeit und systematische Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Störungen und Veränderungen und dehnt den Begriff weit über das Individuum auf große Einheiten wie ganze betriebswirtschaftliche Systeme und kulturelle Gesellschaften aus. Zudem fanden Wissenschaftler heraus, dass Resilienz trainierbar bzw. erlernbar ist (wenn auch nicht für jeden in gleichem Ausmaß).

Am allerwichtigsten sind aktuell Infos und Hacks, die uns das "digitale Ungeheuer" und seine Marotten ein wenig näher bringen. Jeder Vorstand und Manager wünscht sich hier das Allheilmittel für sein Geschäftsmodell und seine Branche. Und zwar bitte ASAP! Effizienz ist alles. Alles, was sich nicht ins Mantra der Effizienz fügt, soll bitte abgepackt und ready to go daher kommen, präpariert wie die vorgebratenen, vorfiletierten Hühnerstückchen als Topping für den mittäglichen Cesar Salad. Bloß nicht zu extravagant! Ein paar allseits gebrauchte, nichtssagende Schlagworte wie "Disruption" oder "Künstliche Intelligenz" müssen schon drin - weil das IN ist. Weil MAN das jetzt eben so macht.

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"Operative Hektik ersetzt geistige Windstille": Heißt das, dass Menschen in Unternehmen das Denken verlernen, vielleicht, weil es bequemer ist, es an Algorithmen und selbstlernende Maschinen delegieren? Nicht ganz. Nicht alle ticken so. In den Unternehmen tut sich etwas. CEOS der älteren Generation, die als "Kombination aus Geschäftsführer, Staatsmann und Rockstar" (Jack Welch) imponieren, stehen jüngere Persönlichkeiten gegenüber, die, um Großes zu bewegen, lieber auf Reflexion statt auf Hybris setzen.

Ihnen, die jenseits aller "operativer Hektik" nicht der "geistigen Windstille" verfallen; die nicht bei jeder Gelegenheit "Ich!" schreien, sondern auf Werte und gute Gründe bauen, gehört die Zukunft. Wir nennen sie die resilienten Manager.

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