Montag, 22. Oktober 2018

Wie Führung, Gesundheit und Resilienz zusammenhängen Reflection first!

Die sollten Sie vermeiden: Zehn mentale Erfolgsbremsen
DPA

2. Teil: Was resiliente Manager auszeichnet

Was zeichnet diesen neuen Management-Typen aus? Resiliente Manager besitzen mehr Impulskontrolle, sie können ihre Launen und Emotionen besser steuern und regulieren. Selbststeuerung und Selbstregulation sind psychologische Fachbegriffe; sie bezeichnen die Fähigkeit, sich nicht schnell aus der Balance bringen zu lassen, egal, was gerade geschieht - und dabei die eigenen Gefühle sowohl wahrnehmen als auch bis zu einem gewissen Grad steuern zu können. In diesen unsicheren und wirren Zeiten ein entscheidender Vorteil.

Resiliente Manager sind sehr zielorientiert, zudem optimistisch und empathisch. Sie wollen nicht um jeden Preis und nicht auf Kosten anderer ihre Ziele erreichen, sondern sind auch "achtsam", wenn es um die Bedürfnisse der anderen geht. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die so genannte Selbstwirksamkeitsüberzeugung - die empfundene Gewissheit, Einfluss und Kontrolle über sein Handeln zu haben.

Reflexion
Reflexion (von lateinisch reflectere "rückwärts biegen, zurückwenden") meint allgemein Nachdenken, Überlegung. In dem Wort klingt die Lichtmetaphorik an, die die Begrifflichkeit des westlichen Denkens durchzieht, seit Platon das Bild der Sonne mit dem Licht der Wahrheit gleichsetzte. Im 17. Jahrhundert bestimmte Gottfried Wilhelm Leibniz die Reflexion als ein inneres Gewahrwerden. Für Immanuel Kant bezieht sich die Vernunft reflexiv auf den Verstand (als ein und dasselbe Denken in verschiedenen Funktionen). Selbstreflexion befähigt eine Person, sich als Erkenntnissubjekt sich auf sich selbst "zurückzuwenden", also das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren.

Tagtägliche Beobachtungen aber auch Studien zeigen - resiliente Menschen sind gesünder, da emotional stabiler und weniger "neurotisch". Und: Sie sind "kohärenter". Kohärenz ist ein wesentlicher Aspekt für Gesundheit und setzt sich aus vor allem drei Faktoren zusammen - die Überzeugung, das eigene Leben selbst gestalten zu können, der Glaube an den Sinn des Lebens und daran, die Zusammenhänge des Lebens verstehen zu können.

Wenn aus psychologischer Sicht Resilienz und Kohärenz sich gegenseitig bedingen, heißt das aus philosophischer Sicht: Die Reflexion von Sinnfragen fundiert und legitimiert die geistig-seelische Gesundheit des Managers (und damit das Vertrauen der Mitarbeiter). Die vier Fragen des Philosophen Immanuel Kants: "Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?", sollten nicht ungeduldig-genervtes Augenrollen verursachen. Sie sollten Managemententscheidungen vorausgehen - nicht nachfolgen. Reflection first.

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung mit der Goethe Universität Frankfurt und der Mourlane Beratung ging jüngst dem Zusammenhang zwischen Führung, Gesundheit und Resilienz nach. Danach gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Resilienz, Burnout-Syndromen und psychosomatischen Beschwerden. Je höher der Resilienzwert, umso geringer die Anfälligkeit für Burnout und psychosomatischen Beschwerden. Und man fand noch etwas: Einen direkten Zusammenhang zwischen positiv wahrgenommenem Führungsverhalten und erhöhter Resilienz des Mitarbeiters.

Ist Resilienz also der heimliche Erfolgsfaktor der Führungskräfte von morgen? Davon sind wir überzeugt. Denn Resilienz ist nur ein anderes Wort für Reflexion: Veränderungen resilient begegnen heißt nichts anderes, als sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren; in der Lage zu sein, Trend und Tugend zu unterscheiden; bei sich zu bleiben, wenn alle Welt außer sich ist; die Konfrontation mit den wirklich "unangenehmen" Dingen - Werten, Visionen, Idealen, Glaubensfragen - nicht zu scheuen; die Auseinandersetzung mit sich selbst, der eigenen Endlichkeit, dem Tod zu suchen.

Wozu? Damit man angesichts der neuen Unübersichtlichkeit das Allerwichtigste nicht aus den Augen verliert: Seinen Verstand. Sein Herz. Das eigene "Ich" - und das es umgebende "Wir".

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