Samstag, 18. November 2017

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Warum Philosophie für Personalberatung wichtig ist "Ein CEO-Kult ist megagefährlich für Unternehmen"

Stephanie Schorp ist Psychologin und Personalberaterin. Bei der Auswahl von Führungskräften sind für sie auch philosophische Fragen entscheidend.
PR / Nell Killius
Stephanie Schorp ist Psychologin und Personalberaterin. Bei der Auswahl von Führungskräften sind für sie auch philosophische Fragen entscheidend.

Die Philosophie stellt die richtigen Fragen an die Persönlichkeit, findet Stephanie Schorp. Die Psychologin ist Personalberaterin und Mitglied der Geschäftsführung der Firma "Comites - perfect placements". Die Philosophiezeitschrift "Hohe Luft" sprach mit ihr über die Rolle der Philosophie bei der Auswahl von Führungskräften.

Frage: Frau Schorp, was macht eine sinnvolle Personalberatung aus?

Stephanie Schorp: Möglichst viele Schlüsselpositionen mit modernen, offenen, leistungs- und menschenorientierten Leuten zu besetzen, statt mit autistisch-technokratischen, die nur an ihr eigenes Fortkommen denken, das treibt mich an.

Frage: Das klingt fast subversiv, Sie wollen die Unternehmen ja völlig umkrempeln. Man muss sich also vor Ihnen hüten!

Hohe Luft
Ausgabe 6/2017

Philosophie und Wirtschaft

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Schorp: Ich führe ja nichts Böses im Schilde. Ich glaube nur, wir brauchen mehr Unternehmergeist, Visionsfähigkeit, aber eben auch mehr Menschlichkeit. Das klingt jetzt so sozialromantisch, aber da ist immer ein gehöriges Maß an Leistungswillen und Output-Orientierung mit drin. Und diese Kombination ist Erfolg versprechend und hat für mich Zukunft, keine andere.

Frage: Wie wirkt sich diese Vision auf Ihren Alltag als Personalberaterin aus?

Schorp: Als Personalberater sollten Sie grundsätzlich ein hohes Interesse an Menschen haben und Menschen mögen. Erfolg haben Sie, wenn Sie in kurzer Zeit verstehen: Worum geht es in diesem Unternehmen und in dieser Funktion? Was muss derjenige in relativ kurzer Zeit bewegen und bewirken? Die reinen Karrieristen, die stetig um ihren eigenen Vorteil bedacht sind, werden Unternehmen nur kurzfristig voranbringen.

Frage: Was sind Ihre größten Herausforderungen, was bringt Sie zur Verzweiflung?

Schorp: Zur Verzweiflung bringt mich der mangelnde Mut bei externen Besetzungen von Unternehmen. Alle reden von Diversity, Disruption und Change, aber wollen letztendlich den oder die, der den gleichen Job heute schon erfolgreich macht. Da frage ich mich, warum braucht man hierfür einen Personalberater?

Frage: Das Problem ist also, dass Unternehmen dazu neigen, immer den gleichen Typus von Mitarbeiter zu rekrutieren?

Schorp: Völlig richtig. Da gibt es sehr konservative Unternehmen, die nicht mutig genug sind, jemanden zu holen, der ein bisschen "rocken" würde - da hat man Bedenken. Das meine ich mit mangelndem Mut. Dabei werden viele Unternehmen den Paradigmenwechsel ins digitale Zeitalter nur überleben, wenn sie sich sehr bewusst Kompetenzen und Erfahrungen aus anderen Branchen holen.

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