Samstag, 17. November 2018

Lohnt sich eine Promotion als Karrierebooster? Für wen sich ein Doktortitel im Job auszahlt

Hurra, endlich Doktor: Die Promotion ist vor allem bei deutschen Arbeitgebern beliebt.
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Hurra, endlich Doktor: Die Promotion ist vor allem bei deutschen Arbeitgebern beliebt.

Nach dem Abschluss endlich ordentlich Geld verdienen - das können viele Absolventen kaum erwarten. Wer allerdings einen Doktortitel anstrebt, muss darauf erst einmal verzichten und weitere Jahre mit wissenschaftlicher Arbeit verbringen. Dafür lockt dann hoffentlich später eine bessere Position mit höherem Gehalt. Doch ist der Aufstieg ins Top-Management heute nur noch mit Doktortitel möglich? Experten beobachten verschiedene Trends.

Vor allem auf dem deutschen Arbeitsmarkt kann der Titel weiterhin Türen öffnen: "Viele Führungspositionen sind mit promovierten Personen besetzt", erklärt Volker Löffler, Vizepräsident der Personal- und Managementberatung Kienbaum. "Vor allem für große Unternehmen, die ihre Chefsessel gern repräsentativ besetzen, kann die Promotion ein ausschlaggebender Faktor sein."

Doch nicht nur im Top-Management erhöht der Doktortitel die Chancen, sich von Mitbewerbern abzuheben - schon auf dem Weg dorthin ist er manchmal unerlässlich: "Auch wenn es um Startpositionen wie beispielsweise Stellen von Vorstandsassistenten geht, die ein Sprungbrett für die weitere Karriere darstellen, legen Entscheider Wert auf eine Promotion."

Wie wichtig der Titel tatsächlich ist, hängt auch von der Branche ab: "Auf der Ebene des Top-Managements sind es vor allem forschungsintensive Branchen wie die Pharma- und Chemiebranche, die einen besonders hohen Anteil an promovierten Führungskräften aufweisen", sagt Stefan Schmid, Professor an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe in Berlin. "Auch in der Versicherungsbranche sind Doktortitel auf den oberen Führungsetagen stark verbreitet." Daneben gebe es unter Ingenieuren eine hohe Quote.

Nach Ansicht von Schmid ist ein Doktortitel in Deutschland ähnlich anerkannt wie in anderen Ländern die Abschlüsse der renommiertesten Hochschulen. "In Großbritannien spielt für den beruflichen Aufstieg das Studium an den Elite-Universitäten Cambridge und Oxford eine große Rolle. In Frankreich kommt den grandes écoles eine hohe Bedeutung als Kaderschmiede zu." In Deutschland gebe es diese ausgeprägte Qualitätsdifferenzierung zwischen den Hochschulen nicht.

"Deshalb sind hier andere Signale für besonders hohe Leistungsfähigkeit und starkes Potenzial gefragt - wie etwa die Promotion." Denn beim Doktortitel geht es nicht nur um Prestige und Status, er steht auch für positive Eigenschaften der Kandidaten: Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz und die Fähigkeit, sich langfristig und selbstständig mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Der MBA-Titel hat zwar mittlerweile in Deutschland einen ähnlichen Stellenwert und gewinnt weiter an Anerkennung, sendet aber eine andere Botschaft aus: "Der MBA ist inhaltlich weniger auf ein Spezialthema begrenzt, sondern eher generalistisch angelegt: auf die Vermittlung umfassender Managementkompetenzen und Exzellenz in betriebswirtschaftlichen Themen", sagt Löffler. "Im Studium geht es viel um Teamarbeit und das Bewältigen geschäftlicher Herausforderungen, was im gemeinsamen Bearbeiten von Fällen aus der Praxis trainiert wird."

Ob Promotion oder MBA-Abschluss für den eigenen Aufstieg besser geeignet ist, hängt neben der Branche von den eigenen Karriereplänen ab: "Wer sich in einem international tätigen Unternehmen entwickeln möchte, profitiert möglicherweise stärker von einem MBA als von einer Promotion, die den Ruf einer typisch deutschen Qualifikation hat", sagt Löffler. Doch beide Zusatzqualifikationen können sich beim Gehalt bemerkbar machen. "Studien zeigen, dass promovierte Kandidaten mehr verdienen als Personen ohne Titel", sagt Volker Löffler. Beim MBA sei es ähnlich.

Entscheidend ist aber auch, ob der Weg zum Doktortitel persönlich zu einem Menschen passt: "Als Psychologin würde ich nur Personen zu einer Promotion raten, die ein hohes Durchhaltevermögen haben", sagt Business Coach Nadine Pfeiffer aus Köln. Es sei außerdem wichtig, einen hohen Grad an Gewissenhaftigkeit und Präzision mitzubringen. Diese Fähigkeiten ebnen den Weg zur Promotion - doch möglicherweise würden sie auch ohne die Zusatzqualifikation zu einer steilen Karriere führen: "Es hat sich herausgestellt, dass Menschen mit diesen Eigenschaften beruflich sowieso oft erfolgreicher sind", sagt Pfeiffer. Und wenn sie sich statt Promotion für den direkten Berufseinstieg entscheiden, können sie in dieser Zeit wertvolle Arbeitserfahrung sammeln - und besser verdienen. "Eine Promotion kann vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen", sagt Pfeiffer.

Während dieser Zeit falle der Verdienst deutlich geringer aus, da die meisten Promovierenden nur in Teilzeit angestellt sind. Wer vor der Entscheidung für oder gegen eine Promotion steht, sollte diesen Faktor in die Betrachtung miteinbeziehen und reflektieren, aus welchen Gründen der Doktortitel angestrebt wird. "Der Verdienstausfall durch die Jahre der Promotion sollte sich natürlich rechnen", sagt Nadine Pfeiffer. "Vor allem, wenn man den Titel nicht aus wissenschaftlichem Interesse anstrebt, sondern ihn ausschließlich als Karrierebooster einsetzen will."

Julia Felicitas Allmann, dpa/mh

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