Donnerstag, 26. April 2018

Gefängnis in USA, Entlassung bei VW VW kündigt inhaftiertem Ex-Manager Oliver Schmidt

VW-Manager Oliver Schmidt: Sieben Jahre Haft und 400.000 Dollar Strafe - und die Kündigung kommt obendrauf

Nach der Verurteilung in den USA hat Volkswagen Börsen-Chart zeigen den früheren Manager Oliver Schmidt offenbar entlassen. Das berichtet die "Bild am Sonntag" und beruft sich dabei auf Informationen aus Unternehmenskreisen.

Schmidt war vor zwei Wochen von einem US-Gericht wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal zur höchstmöglichen Strafe von sieben Jahren Gefängnis und 400 000 Dollar (338 000 Euro) verurteilt worden.

Ein Konzernsprecher aus Wolfsburg wollte den Bericht am Donnerstag nicht kommentieren.

Grundsätzlich gelte aber, dass bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen von Beschäftigten, zumal im Falle strafgerichtlicher Verurteilungen, zwingend auch arbeitsrechtliche Maßnahmen geprüft werden müssten, so der Konzernsprecher. Das sei integraler Bestandteil der Compliance-Pflicht jedes Unternehmens. "Die Volkswagen AG prüft die angemessenen Maßnahmen in solchen Fällen sehr sorgfältig und nach eingehender Würdigung des spezifischen Sachverhalts", betonte der Sprecher.

Der 48-jährige Schmidt hatte sich nach einem Deal mit der US-Staatsanwaltschaft im August für schuldig bekannt. Er ist nach dem früheren VW-Ingenieur James Liang der zweite langjährige VW-Mitarbeiter, der aufgrund der Abgas-Affäre in den USA zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Der zuständige Richter Sean Cox verhängte in Detroit eine siebenjährige Gefängnisstrafe gegen den langjährigen VW-Angestellten Schmidt wegen Verschwörung zum Betrug und Verstoßes gegen Umweltgesetze. Zudem muss der Manager, der laut Anklage von Februar 2012 bis März 2015 in leitender Funktion für Umweltfragen in den USA zuständig war, Geldstrafen in einer Höhe von 400.000 Dollar zahlen. Damit zeigte Richter Cox maximale Härte - das Strafgesetzbuch sieht für die Schmidt zur Last gelegten Verbrechen bis zu sieben Jahre Haft und eine Geldstrafe zwischen 40.000 und 400.000 Dollar vor.

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Bild: REUTERS

Schmidts Anwalt David Du Mouchel hatte auf eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten und eine Geldstrafe von 100.000 Dollar plädiert. Immerhin soll dem Verurteilten die Zeit angerechnet werden, die er bereits in Untersuchungshaft in den USA verbracht hat.

Schmidt war im Januar vom FBI in Miami festgenommen worden, er ist seit rund elf Monaten inhaftiert. Der 48-jährige Deutsche hatte seine Mittäterschaft beim "Dieselgate"-Skandal zunächst abgestritten, im August bekannte er sich jedoch schuldig und ging einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein. Dadurch wurden mehrere Anklagepunkte gestrichen und die theoretische Höchststrafe sank erheblich. Vor Schmidt wurde bereits der VW-Ingenieur James Liang verurteilt, der als Kronzeuge mit den Ermittlern kooperiert hatte.

Schmidt kehrte zum Weihnachtsurlaub in die USA zurück

Vor einem Jahr unterlief Oliver Schmidt die größte Fehleinschätzung seines Lebens. Der VW-Manager entschloss sich, den Weihnachtsurlaub mit seiner Familie wie schon so oft im warmen Florida zu verbringen und nach seinen Wohnungen vor Ort schauen. Doch diesmal war etwas anders als die vielen Jahre davor: Schmidt waren US-Behörden auf den Fersen, die seit Monaten nach Schuldigen im Skandal um manipulierte Dieselmotoren fahndeten.

Schmidt leitete von 2013 bis 2015 das Engineering und Environmental Office von Volkswagen USA. Dabei war er für VWs Kontakte zu Umweltbehörden zuständig - und damit für die US-Behörden wohl ein höchst spannendes Ziel. Schmidt ahnte wohl, dass eine solche Reise nicht ganz ungefährlich sein könnte. Vor seinem Weihnachtsurlaub soll Schmidts Anwalt bei US-Staatsanwälten nachgefragt haben, ob Schmidt bei seinem Urlaub etwas zu befürchten habe.

Freies Geleit hat er Berichten zufolge nicht zugesichert bekommen. Trotzdem fühlte sich Schmidt sicher, hatte er doch bereits vor den US-Behörden zu Dieselgate ausgesagt. Schmidt ging das Wagnis USA-Urlaub ein - und bekommt seither die volle Härte der US-Behörden zu spüren. Am 07. Januar 2017 nahm ihn das FBI am Flughafen von Miami fest, seither sitzt Schmidt in Untersuchungshaft.

la/dpa

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