Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Feierabend! Mythen der Arbeitswelt "Ohne mich läuft nichts" - die Wichtigkeits-Lüge im Büro

Arbeiten im Urlaub - lieber nicht
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Arbeiten im Urlaub - lieber nicht

Als ich noch Angestellter war, brach ich einmal in einen Urlaub auf. Mein Chef fragte, wie man mich erreichen könne. "Gar nicht", antwortete ich. Das stimmte, denn ich war auf dem Weg zu einem der raren Landstriche, die der modernen Kommunikation noch trotzen.

Der Chef schaute griesgrämig. "Na ja", knurrte er, "die Welt wird nicht untergehen."

"Da wäre ich nicht sicher", entgegnete ich. "Die Welt kann jederzeit untergehen. Aber wenn ich der Einzige bin, der sie retten kann, sollten wir noch einmal über mein Gehalt sprechen."

Dieser Kurzdialog entlarvt eine weitere Lebenslüge des Arbeitslebens. Jedem ruft es zu: "Auf dich kommt es an, du machst den Unterschied! Ohne dich liefe nichts." Das bedient ein tiefes menschliches Bedürfnis: bedeutend zu sein. Es ist uns allen eingepflanzt - besonders denjenigen, die betonen, gern im Hintergrund zu stehen.

Nicht auf dich kommt es an, sondern auf deine Arbeit

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Weil uns die Parolen der Arbeitswelt schmeicheln, hinterfragen wir sie nicht. So sind viele Menschen davon überzeugt, dass ihre Organisation für das Weltgeschehen eine existenzielle Bedeutung hat - und sie wiederum innerhalb der Organisation. Aus dem Bett wie aus dem Urlaub schicken sie E-Mails im Glauben, der Planet würde ohne sie verpuffen. Doch es gibt nur wenige Probleme, die am Sonntagmorgen auftauchen und sofortige Aktivität fordern. Die meisten waren am Freitag schon da und/oder können am Montag gelöst werden.

Dabei ist die Botschaft "Auf dich kommt es an" nicht grundsätzlich falsch. Richtig ist dieser Teil: Auf deine Arbeit kommt es an. In vielen Betrieben gerät der Ablauf durcheinander, wenn ein Schreibtischstuhl leer bleibt oder eine Thekenkraft ausfällt. Bei guter Organisation ist jede Tätigkeit ein Rad im Getriebe, ohne das, so klein es sein mag, das Getriebe stottert.

Bloß: Wer diese Arbeit erledigt, ist egal. Jede Tätigkeit ist wichtig. Doch jeder Mensch ist ersetzbar. Auf niemanden kommt es an. Das ist die Wahrheit des Arbeitslebens. Sie trampelt auf unserem Bedürfnis nach Bedeutung herum, doch wird sie deswegen nicht weniger wahr.

Ist es schlimm, wenn wir uns für bedeutender halten, als wir sind? Tun wir das nicht ständig? Ist es nicht unabdingbar für unser Selbstwertgefühl? Bis zu einem gewissen Grad ja. Doch das "Auf dich kommt es an"-Gesäusel im Arbeitsleben birgt zwei Gefahren: Erstens den Schlag ins Gesicht, wenn die alltäglichen Erfahrungen der vorgeblichen Wichtigkeit nicht entsprechen. Zweitens den Hang zur Selbstaufopferung, die beiden Seiten Unheil bringt.

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