Montag, 16. Juli 2018

Marika Lulay, Vorstand GFT Technologies "Es reicht nicht, nur gut zu sein"

Karrierefrau mit Talent zur Gelassenheit an der richtigen Stelle: Marika Lulay
GFT / Armin Brosch
Karrierefrau mit Talent zur Gelassenheit an der richtigen Stelle: Marika Lulay

Marika Lulay ist eine Ausnahme: Vorstand für das operative Geschäft in einem großen deutschen Technologiekonzern. Im SAAL-ZWEI- Interview spricht sie über Frauenkarrieren, Eigen-PR und die Zukunft des Technologiestandorts Deutschland.

Marika Lulay hat Einfluss: Rund 2500 Mitarbeiter arbeiten für GFT Technologies, zuletzt setzte der IT-Dienstleister 264 Mio. Euro um. Lulay ist Vorstand für das operative Geschäft (COO) - und trotzdem kennt kaum jemand außerhalb der Branche ihren Namen. Zu Recht, sagt die Informatikerin, das Geschäft werde beim Kunden gemacht, nicht in den Medien. Ein Interview von SAAL ZWEI in der Reihe "Top-Managerin im Profil". SAAL ZWEI ist Inhaltepartner von manager-magazin.de.

SAAL ZWEI: Frau Lulay, nervt es Sie, wenn Sie immer wieder gefragt werden, wie Sie es als Frau in den Vorstand eines IT-Unternehmens geschafft haben?

Marika Lulay: Ja, mittlerweile nervt es mich total. Weil es suggeriert, dass es das einzige Thema ist, zu dem ich etwas sagen könnte. Und das ist aus meiner subjektiven Sicht nicht so. Andererseits bin ich mit etwas Abstand nach einer solchen Frage auch wieder versöhnt, weil ich weiß, dass die Frage relevant ist.

SAAL ZWEI: Das beruhigt uns, denn wir wollen die Frage auch stellen ...

Lulay: Zuerst einmal habe ich schlicht und ergreifend Informatik studiert. Ich war stark in den Naturwissenschaften, und 1982, als ich mein Studium begann, waren Themen wie Genetik, Biochemie, Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik neue Themen. Da wollte ich dabei sein. Es war mir wichtig, nicht das zu machen, was alle anderen machten. Praktischerweise hat mich das Informatik-Studium interessiert.

SAAL ZWEI: Aber Sie waren die einzige Frau weit und breit …

Lulay: Ja, aber das machte nichts. Zumindest habe ich dadurch keine Benachteiligung erfahren. Auch nach dem Berufseinstieg nicht. In der jungen und dynamischen Industrie herrschte eigentlich immer Fachkräftemangel, daher hat man alle guten Leute benötigt. Auf das Geschlecht wurde eher nicht geachtet.

SAAL ZWEI: Sie haben mehrmals das Unternehmen gewechselt, bevor Sie 2002 zu GFT Börsen-Chart zeigen kamen. Haben Sie die viel zitierte gläserne Decke während Ihrer Laufbahn zu spüren bekommen?

Lulay: Eigentlich nicht. Aber ich möchte ergänzen: Ich hatte zwar keine Nachteile als Frau, ich wurde aber auch nicht gefördert. Frauenförder-Programme wie es sie in den Konzernen anderer Branchen gibt, habe ich nie kennengelernt. Dennoch würde ich nicht von einer gläsernen Decke sprechen.

SAAL ZWEI: Sie sind allein durch gute Leistung aufgefallen?

Lulay: Durch gute Leistung zur rechten Zeit am rechten Ort. Es reicht nicht, nur gut zu sein. Man muss auch ungewohnte Aufgaben übernehmen, Leistungsbereitschaft signalisieren und sich etwas trauen. Man muss sein gewohntes Terrain verlassen und aus der Komfortzone herauskommen.

SAAL ZWEI: Wann haben Sie Ihre Komfortzone verlassen?

Lulay: Immer dann, wenn man den Sprung in eine neue Firma wagt, verlässt man die Komfortzone - viel stärker noch als bei neuen Projekten innerhalb desselben Unternehmens. Weil man dann nicht nur auf eine neue Aufgabe mit neuen Mitarbeitern trifft, sondern auf eine neue Firmenkultur. Und man braucht ein neues Netzwerk. Als ich von der Software AG Börsen-Chart zeigen zu Cambridge Technologies Partners wechselte, habe ich das besonders stark gespürt: Raus aus einem deutschen Unternehmen, rein in einen amerikanischen börsennotierten Konzern. Das Reporting spielte dort eine große Rolle, ich habe mich im internationalen Umfeld bewegt und den ganzen Tag Englisch gesprochen. Und als Landeschefin von Deutschland war ich zwar für Gewinn und Verlust verantwortlich, berichtete aber an die Konzernführung. Nach meinem Wechsel zu GFT war es genau andersherum: Die Länderchefs berichten an mich, jetzt sitze ich im Vorstand sozusagen auf der anderen Seite. Solche Perspektivenwechsel und Entwicklungen machen mir Spaß, auch wenn sie schief gehen können.

SAAL ZWEI: Eigen-PR kann eine Karriere beflügeln. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Ihren Namen hatte ich bis vor Kurzem noch nie gehört. Finden Sie die Vermarktung Ihrer Person und Ihres Unternehmens nicht wichtig?

Lulay: Die Vermarktung der GFT Group ist für mich natürlich wichtig, da arbeiten wir auch hart dran. Auf PR für mich und meine Funktion lege ich allerdings keinen großen Wert. Deshalb wundert mich Ihre Feststellung auch nicht. Auf die Gefahr hin, dass es arrogant klingt: Wer mich kennen muss, kennt mich auch. Das Geschäft spielt sich ja nicht in den Medien ab. Innerhalb der Branche und bei unseren Geschäftspartnern habe ich kein Bekanntheitsproblem.

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