Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Studie: Deutsche Chefs sind unternehmenstreue Männer Mitte 50 Diversität? Stabile Fehlanzeige

Das Netzwerk der Mächtigen: Diese Institutionen stecken hinter den Dax-Chefs
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DPA

Deutsche CEOs sind männlich, 55 Jahre alt, kommen meist aus dem Unternehmen selbst und waren dort im Schnitt 14 Jahre tätig, bevor sie an die Spitze rückten. Das zeigt die Studie "Route to the Top" der Personalberatung Heidrick & Struggles, die die Lebensläufe der Chefs von 400 der größten Unternehmen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA untersucht hat.

Weibliche Chefs haben überall Seltenheitswert. Nur 4 Prozent der CEOs sind weiblich. Deutschland ist das Schlusslicht - nur eine einzige Frau ist dabei: Anke Schäferkordt, Chefin der RTL Group. Für Deutschland wurden DAX- und MDAX-Unternehmen betrachtet, für die USA die 100 größten Konzerne der Fortune 500, in Großbritannien die FTSE-100-Firmen und in Frankreich die Unternehmen des SBF 120.

In Frankreich liegt die Frauen-CEO- Quote bei 2 Prozent, in Großbritannien bei 6 und in den USA immerhin bei 8 Prozent. "Der Weg nach oben bleibt Frauen nach wie vor weitgehend verwehrt", sagt Michael Oberwegner, Deutschlandchef von Heidrick & Struggles. "Die Anzahl weiblicher CEOs in der von uns untersuchten Gruppe von Unternehmen stieg zwischen 2011 und 2016 ledlich von neun auf 18. Dies ist natürlich viel zu wenig und den Forderungen nach mehr Diversität nicht gerecht."

Etwas bunter wird es bei der Herkunft. 17 Prozent der CEOs von DAX- und MDAX-Unternehmen stammen aus dem Ausland; in Großbritannien sind es sogar 40 Prozent, in den USA dagegen nur 13, in Frankreich gar nur 10 Prozent. Das führen die Studienautoren darauf zurück, dass französische Unternehmen weniger international aufgestellt sind - und ihr Führungspersonal vorwiegend aus Netzwerken der Kaderschmieden wie der École Nationale d'Administration rekrutieren. "In Deutschland ist es seit einigen Jahren keine Ausnahme mehr, daß bei der Besetzung von Spitzenpositionen auch Topmanager mit ausländischem Paß zum Zuge kommen", sagt Oberwegner, "wir sehen aber keinen Trend, daß die jetzt erreichte Anzahl von internationalen Topbesetzungen progressiv steigen würde."

Zu 67 Prozent kommen deutsche CEOs aus dem Unternehmen selbst (USA: 85 Prozent, Frankreich: 48 Prozent, Großbritannien: 61 Prozent). Sie sind im Schnitt 55 Jahre alt, wenn sie auf den Chefsessel kommen - ein seit Jahren stabiler Wert (USA: 59, Frankreich: 57, Großbritannien: 54 Jahre). Die besten Chancen haben Männer aus dem Finanzbereich - in Großbritannien kommt mehr als ein Drittel der CEOs dorther, in den USA ein knappes Drittel, in Deutschland 26 Prozent, in Frankreich 21 Prozent. Aber auch Ingenieure haben gute Chancen (Deutschland: 20 Prozent, Frankreich 24, USA 18, Großbritannien 13) - das betrifft vorrangig Unternehmen aus der Autobranche, Anlagen- und Maschinenbauer.

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