Donnerstag, 27. Juli 2017

Ist auch Ihr Job bedroht? Hilfe, ich werde wegdigitalisiert!

Willkommen in der neuen Welt: Ein Roboter zur Patientenbetreuung in einem Krankenhaus im belgischen Ostend.

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de

Sie sind im Transportwesen oder in der Logistik tätig? Dann wissen Sie schon, dass autonome Autos und Lieferwagen den Fahrern in den kommenden Jahren möglicherweise die Jobs wegnehmen werden. Sie sind arbeiten in der Produktion?

Dann sind Sie den Anblick von Robotern bereits gewöhnt und wissen: Dieser Trend wird in den nächsten Jahren zunehmen. Sie sind Anwalt oder Arzt, Steuerberater oder Führungskraft in einer Versicherung? Dann machen Sie sich vermutlich weniger Sorgen, dass Ihnen die Digitalisierung gefährlich wird. Das sollten Sie aber.

Der digitale Wandel wird Aufgabenbereiche von Menschen ersetzen, die heute nicht im Entferntesten damit rechnen, dass ihr Job durch einen Computer ersetzt werden könnte. Bei den Recherchen zu meinem neuen Buch "Digitale Disruption" bin ich auf fünf Kriterien gestoßen, anhand derer sich relativ leicht erkennen lässt, ob auch der eigene Arbeitsplatz von dieser neuen industriellen Revolution bedroht ist. Ich nenne es das Prinzip der Kompetenzstandardisierung.

Kompetenz ist standardisierbar So, Sie wurden geblitzt? Sie können ruhig nicken, während Sie diesen Artikel lesen, sieht das keiner. Und was haben Sie anschließend getan? Haben Sie kleinlaut bezahlt oder Sie sind zum Anwalt gegangen? Ein kluger Rechtsberater würde Ihnen dann ein paar ziemlich banale Fragen stellen: Ist Ihr Gesicht zu erkennen? Welche Art von Blitzgerät wurde eingesetzt? Wo genau wurden Sie geblitzt? Auch wenn der Anwaltsberuf zum Teil ein sehr kreativer ist - für die Beurteilung eines solches Falls braucht es nicht wirklich tiefgreifende Fachkenntnisse. Das können heute bereits Algorithmen.

Auf der Online-Plattform geblitzt.de können Bußgeldbescheide schon heute kostenlos eingereicht werden; ein Algorithmus entscheidet dann, ob es sich lohnt, zu klagen. Auch die Verfahren werden so weit automatisiert, dass ein einziger Anwalt bis zu 100 Fälle am Tag schafft. Auf dieselbe Art und Weise kann auch das Know-how von Ärzten digitalisiert werden - zumindest im Bereich der Diagnostik.

Überall dort, wo es darum geht, auf eine Vielzahl möglicher Fragen eine Vielzahl möglicher Antworten zu generieren, wo Wissensfragmente nach einem vorgegebenen Muster zusammengestellt werden, haben wir es mit standardisierbaren Aufgaben zu tun. Und die sind durch Algorithmen ersetzbar. Damit können bestimmte Aufgaben von Anwälten und Ärzten ebenso digitalisiert werden, wie die von Kraftfahrern und Fabrikarbeitern.

Standardisiertes Wissen besteht aus einer Vielzahl von "Wenn-Dann-Beziehungen": Wenn Hindernis, dann bremsen, lautet eine Regel für ein autonom fahrendes Auto. Auf das Blitzerbeispiel angewendet lautet der Algorithmus für den Anwalt: Wenn Gerät nicht geeicht, dann hohe Erfolgswahrscheinlichkeit beim Einspruch. Oder beim Arzt: Wenn bestimmte Blutwerte hoch, dann Verdacht auf Krankheit.

Mehr und mehr Unternehmen nutzen die technologische Entwicklung, um traditionellen Berufen digitale Konkurrenz entgegenzusetzen. Der französische Kleinbus-Hersteller Navya ersetzt das Know-how von Berufskraftfahrern. Preventicus aus Jena digitalisiert Teile des ärztlichen Know-hows. Und das Mainzer Unternehmen Lexalgo hat eine klare Vision: "Automating the law".

Kann auch Ihr Know-how standardisiert werden?

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