Freitag, 29. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Das neue schwache Geschlecht Warum Männer ins Stimmtraining rennen

Viele "ähems" und "vielleichts", hohe, brüchige Stimmen, eine gehemmte Körpersprache - bei der Selbstpräsentation im beruflichen Kontext ist für viele Männer noch Luft nach oben

Seit einigen Jahren gibt es einen Wandel auf deutschen Präsentationsbühnen. Aber nicht nur dort. Das ehemals schwache Geschlecht strebt ambitioniert nach vorne und zeigt entschieden Women-Power, auch wenn die berufliche Gleichberechtigung noch viel zu wünschen übrig lässt. Während Frauen entschieden Präsenz zeigen, schwächeln die Männer und wirken unentschlossen. Einst waren Männer die Macher, Beschützer, Versorger mit klaren Aufgaben, diese Rolle hatten sie ebenso lange ausgefüllt wie Frauen am heimischen Herd saßen. Mann kannte sich aus mit männlichen Kommunikationsmustern.

Die Spielregeln hießen: mit lauter Stimme wirst Du gehört, mit Power-Posen gesehen, über Erfahrung und Verantwortung schaffst Du Dir Selbstwert und Ansehen! Dieses Wissen steckte den Männern Jahrtausende im Körpergedächtnis und war jederzeit abrufbar. Kräftig, stark, laut, resonant, körperlich raumfüllend. Beeindruckend.

Jetzt preschen die Frauen vor. Mit ebenso klarer und zielorientierter Kommunikation und einem starken Auftritt. Hingegen treten die Männer auf beruflichem Parkett heute verhaltener auf und sind weniger bereit, Verantwortung zu übernehmen. Sie haben mehr Angst vor Fehlern und schaffen es kaum, sich klar zu positionieren. Viele wirken unentschieden, ihre innere wie äußere Haltung ist zurückgenommen. Selbstzweifel machen sich breit. Diese Verunsicherungen beeinflussen Körpersprache und Stimmen der Männer.

Die Stimmen rutschen hoch

Als Coach und Trainerin in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung und starker Auftritt nehme ich zunehmend das folgende Phänomen wahr: Während Frauen über die letzten Jahre klarere, resonantere und tiefere Stimmen und bestimmende Körpergesten entwickeln, kommt es bei der jüngeren Männergeneration zu einer Veränderung in die entgegengesetzte Richtung. Auf männlicher Seite konstatiere ich zunehmend hochgerutschte Stimmen. Höher, dünner und brüchiger.

Die Sprache wirkt dadurch weniger getragen, die Botschaften kommen kraftlos an. Ihre Unsicherheit zeigt sich neben der Tonlagen, auch im Gebrauch vieler "ähms" "vielleichts" und anderen Füllwörtern. Bisher waren es einzig und allein Damen, die mit ihren hohen dünnen Stimmen Training brauchten, um Vorträge zu meistern. Nun erscheinen die Herren zuhauf im Stimm- und Präsentationstraining. Sie fühlen sich unsicher und suchen Unterstützung, um sich vor allem im beruflichen Umfeld weiterhin Gehör zu verschaffen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH