Mittwoch, 28. September 2016

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Scientology als Gefahr für Unternehmen Wie werden Unternehmen ihre Thetanen wieder los?

Schauspieler Tom Cruise ist das wohl prominenteste Mitglied der Scientology-Bewegung. Angeblich hat er bereits den siebten Level eines "Operating Thetan" erreicht - was für Scientologen ein sehr hoher Grad der Erkenntnis ist

Zielsetzung und Methoden der Scientology-Bewegung werden in Unternehmen in Deutschland als sehr problematisch empfunden. Beschäftigen Unternehmen Mitarbeiter, insbesondere Führungskräfte, die aktive Mitglieder der Scientology-Bewegung sind, geraten sie in mitunter schwierige Konflikte mit der Belegschaft und mit Kunden. Viele Unternehmen verlangen von ihren Geschäftspartnern eine Erklärung, dass sie keine Mitglieder der Scientology-Bewegung beschäftigen. In einigen Unternehmen wird sogar die gesamte Kundenbeziehung davon abhängig gemacht. Nicht selten sind in Beratungsverträgen zwischen Unternehmen das Recht zur außerordentlichen Kündigung der Kundenbeziehungen und Vertragsstrafen für den Fall vereinbart, dass das Beratungsunternehmen Scientologen beschäftigt. In den allermeisten Fällen möchte sich das Unternehmen bei Bekanntwerden der Scientology-Mitgliedschaft von solchen Mitarbeitern möglichst schnell und kostengünstig trennen, um Betriebsfrieden und Kundenbeziehung nicht zu gefährden.

Da Mitglieder der Scientology-Bewegung nach dem Codex der Bewegung über ihre Mitgliedschaft und Aktivitäten schweigen sollen, lässt sich die genaue Zahl der in Deutschland ansässigen Unternehmen beschäftigten Scientologen nur schätzen. Die Schätzungen sind sehr uneinheitlich. Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die Scientology-Bewegung in Deutschland seit vielen Jahren und geht von mindestens 4000 aktiven Mitgliedern aus. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, geht Scientology doch selbst von weltweit über 10 Millionen aktiven Mitgliedern aus.

Was macht Scientologen so gefährlich für Unternehmen? Scientology verlangt von seinen Mitgliedern Verhaltensweisen, die häufig mit der Rechtsordnung und dem Unternehmens- und Persönlichkeitsschutz des deutschen Rechts nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Das einzelne Mitglied der Scientology-Bewegung wird beispielsweise aufgefordert, Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz hinsichtlich privater dienstlicher und unternehmensbezogener Daten auszuforschen. Scientology-Mitglieder, die in Führungspositionen von Unternehmen sind, dürfen nicht zulassen, von ihren Mitarbeitern oder Vorgesetzten hinsichtlich der eigenen Arbeitsmethoden kritisiert oder gar angeleitet zu werden. Mitglieder der Scientology-Bewegung sollen ihre Vorgesetzen, die nicht nach der Lehre von Ron Hubbard handeln und leben, in all ihren dienstlichen und beruflichen Aktionen sabotieren. Mitglieder der Scientology-Bewegung sollen ihre Mitgliedschaft bei Scientology und die dort propagierte Lebensweise über sämtliche Regeln am Arbeitsplatz stellen. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen hat ein Gutachten verfasst, in dem diese kritischen Vorwürfe gegen die Praktiken der Scientology-Bewegung zusammengefasst sind.

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