Mittwoch, 20. Juni 2018

Betrug, Bestechung, sexuelle Übergriffe Immer mehr CEOs werden wegen ethischer Fehltritte gefeuert


"Sex, Drugs and CEO" titelte das manager magazin erst im März: Alphatiere, die sich auf Sex-Geschichten im Büro einlassen, leben gefährlich. Eine Studie, die Statista für manager-magazin.de illustriert hat, unterstreicht dies noch einmal - immer mehr CEOs werden aus ethischen Gründen gefeuert.

Zwischen 2012 und 2016 wurden gut einem Viertel der gefeuerten CEOs ethische Probleme zum Verhängnis - die Autoren der "Strategy& 2016 CEO Success Study" fassen darunter Betrug, Bestechung, Insiderhandel, Lügen auf Lebensläufen oder sexuelle Übergriffe, aber auch fehlerhafte Reaktionen auf Naturkatastrophen. Der Anteil steigt - zwischen 2007 und 2011 waren es noch 12,5 Prozent.

Die überwiegende Zahl der Chefs gibt laut Studie ihr Amt allerdings planmäßig auf - zwischen 2011 und 2016 waren es weltweit knapp 80 Prozent. Bezieht man diese sauberen Abgänge mit ein, schrumpft der Anteil der aus ethischen Gründen Rausgeschmissenen auf nur noch 5,3 Prozent; auch hier gibt es jedoch enormes Wachstum: 2007 bis 2011 waren es nur 3,9 Prozent. (Alle Zahlen finden Sie hier.)

Sind Chefs also insgesamt bösere Menschen geworden? Die Studienautoren bezweifeln dies: Sie hätten über die Jahre mit hunderten Unternehmen zusammengearbeitet und keinerlei entsprechende Erfahrungen gemacht. Vielmehr bemühten sich Unternehmen, die Prozesse zu verbessern, mit denen CEOs und ihre Führungsfähigkeiten evaluiert werden.

Der Anstieg der Rausschmisse lasse sich mit fünf Trends erklären:

  • Die Öffentlichkeit sei allgemein argwöhnischer und kritischer geworden und verzeihe unternehmerisches Fehlverhalten weniger.
  • Die Themen Governance und Regulierung würden in vielen Ländern mittlerweile proaktiver und mit höheren Strafkatalogen behandelt.
  • Immer mehr Unternehmen seien in aufstrebenden Volkswirtschaften tätig, wo höhere ethische Risiken bestünden. Auch verließen sich immer mehr Firmen auf immer weiter gespannte weltweite Lieferketten - hier wachse das Risiko, durch unlautere Geschäftspartner.
  • Digitale Kommunikationsmittel hätten das Risiko, durch Fehlverhalten aufzufallen, ebenfalls erhöht.
  • Schließlich trage auch der immer schnellere Nachrichtenzyklus in den Medien dazu bei, dass negativ besetzte Informationen schnell und breit gestreut würden.

"Rechnet man all das zusammen, bekommt man genauere Überprüfungen des Chef-Verhaltens gepaart mit dem Wunsch nach schnellen Interventionen und immer kleineren Spielräumen für Fehler für alle Beteiligten."

Die Chefs sind also keine schlechteren Menschen geworden - sie kommen nur immer weniger damit durch - vor allem die CEOs großer Unternehmen. Dass es in den BRICS-Staaten am häufigsten zu ethisch bedingten Demissionen komme, hänge auch mit der historisch bedingten Verbreitung von Korruption dort zusammen.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH