Freitag, 15. Dezember 2017

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So bekommen Sie Ihr Publikum in den Griff Diese Fehler sind tödlich für Ihre Power-Point-Präsentation

Getty Images

Des Redners liebstes Versteckobjekt ist die Power-Point-Präsentation. Das Funktionsprinzip ist einfach: Die PowerPoint Folie wird kurzerhand zum Hauptdarsteller erklärt, und der Redner ist lediglich der Assistent oder Vertoner seiner eigenen Präsentation.

Das geht so weit, dass Redner sich hinter das Publikum stellen, damit sie dessen freie Sicht auf das Bild nicht behindern. Unterstützt wird dieses Verhalten von Technikern und Menschen in der Nähe von Lichtschaltern, die trotz der beeindruckenden Lichtstärke moderner Projektoren beim Starten eines Beamers sofort versuchen, maximale Dunkelheit herzustellen.

Der Redner wird nur noch als Störer seines eigenen Vortrages empfunden, und das ist offenbar auch seine Selbstwahrnehmung. Power-Point-Präsentationen beginnen üblicherweise mit einer Startfolie, auf der sich neben verschiedenen Logos meist der Titel des Vortrages und mindestens ein Untertitel befinden, ferner der Name des Vortragenden, das Datum des Vortrages, der Ort, an dem man sich befindet, die Zahl der Folien der Präsentation und die Ordnerstruktur der Ablage des Computers des Vortragenden.

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Die meisten Leute wissen, wo sie sich befinden und welches Datum heute ist, die Ordnerstruktur des Computers des Redners ist für die meisten Zuhörer von beschränktem Interesse und die Seitenzahl schlicht eine Bedrohung. In der Regel sind sämtliche Informationen auf diesen Startfolien überflüssig - kurz: Kein Mensch braucht Titelfolien. Mir flößen sie sogar meistens Angst ein. Ich sehe die Folie, und etwas in mir zieht sich zusammen und sagt: "Uuhh - da muss ich jetzt wohl durch." Wohlgemerkt: Ich denke nicht: "Wow - jetzt bin ich aber mal gespannt!" oder "Herrlich - jetzt eine Stunde zurücklehnen und gut entertaint werden!"

Die letztere Haltung meines Publikums brauche ich aber als Vortragender, wenn ich will, dass jemand etwas lernt, behält, mitnimmt und so weiter. Die Angst, die die Titelfolie auslöst, wird dann von der zwanghaft der Titelfolie folgenden Agenda-Folie noch getoppt. Angeblich dienen Agenden der Struktur und dazu, dass das Publikum "orientiert" ist.

Spätestens bei Punkt 3.2.4 habe ich aber jede Struktur und Übersicht verloren, und auch der Redner merkt beim Vortragen seiner Agenda schon, dass er das eigentlich alles noch gar nicht sagen wollte, fängt an zu springen, redet schneller, und das ist dann bereits das dramaturgische Ende des Vortrages. Jetzt hört zwar keiner mehr zu, aber nun folgen die Folien mit den Inhalten, die üblicherweise eine Anhäufung von Bulletpoints (auf Deutsch: Spiegelstriche) sind.

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