Montag, 20. November 2017

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So bekommen Sie Ihr Publikum in den Griff Diese Fehler sind tödlich für Ihre Power-Point-Präsentation

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5. Teil: Bitte keine VielenDankfürIhreAufmerksamkeitFolien!

Als guter Entertainer muss ich den Fokus kontrollieren - wie ein Taschendieb, der genau weiß, dass alle gerade auf das rechte Bein achten, um dann in aller Ruhe die Uhr vom linken Arm zu klauen. Zerstreue ich den Fokus, überfordere ich die Aufmerksamkeit meines Publikums, und die Lernkurve sinkt. Damit meine Aussagen und Botschaften in den Gehirnen meiner Zuhörer haften bleiben, muss ich dafür sorgen, dass diese Gehirne auf der "Es gibt was zu essen" Basis funktionieren. Die Psychologen nennen das "heiße Kognitionen".

In dem Moment, wo mein Gehirn anfängt, zu grübeln und zu analysieren, werden meine Kognitionen kalt. Heiß sind sie, wenn sie affektiv aufgeladen und emotionalisiert sind. Deshalb muss ich erreichen, dass die Zuhörer an meinen Lippen hängen, nicht zu viel nachdenken und gemeinsame Bilder vor ihren inneren Augen sehen. Einsetzen kann ich dafür alles, was Aufmerksamkeit erzeugt, berührt, fasziniert, erstaunt, ärgert, begeistert - kurz alles, was emotionalisiert und das Aktivierungsniveau des Gehirns anhebt.

Das gelingt am besten mit Geschichten, tollen Bildern, Filmen, Musik, faszinierenden Strukturen, Offenbarungen und echten Emotionen - und natürlich mit Sex and Crime. Es funktioniert nicht mit Listen, Zahlenwüsten, Excel-Tabellen, rationalen Kausalketten, Inhaltsverzeichnissen, Titeln, Microsoft Clip Arts und VielenDankfürIhreAufmerksamkeitFolien.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: 90 Prozent aller Präsentationen sind grauenhaft. Die Latte hängt also sehr tief. Natürlich braucht es ein wenig Aufwand für eine gute Präsentation - auf jeden Fall aber weniger als für eine schlechte.

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