Samstag, 18. November 2017

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So bekommen Sie Ihr Publikum in den Griff Diese Fehler sind tödlich für Ihre Power-Point-Präsentation

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4. Teil: Information alleine ist überflüssig bis schädlich

Der Aufwand, sich bei jedem Satz zu überlegen, ob der noch auf die Folie soll oder nicht - denn eigentlich will ich es gar nicht sagen, es muss aber doch irgendwo stehen, wenn es ja ausgeteilt wird -, ist groß und führt zu überfüllten Folien. Wenn man dann noch den Grundsatz berücksichtigen will, dass vollständige Sätze auf Folien nichts verloren haben (es sei denn, es sind Zitate, die dann aber auch genau so vorgelesen werden müssen, wie sie dastehen), ist das Scheitern garantiert.

Damit kommen wir zu Punkt 2: Wer verstanden hat, dass die Folie weder Notizzettel noch Handout ist, der hat auch begriffen, dass nicht alles auf die Folie gehört, sondern nur das, was seinem Vortrag dient. Und ja, liebe Unternehmensberater - das geht auch, wenn der CEO die Präsentation vorher sehen will: Weglassen ist nämlich nicht verboten.

Worauf sich auf Folien also wunderbar verzichten lässt: Titel, Seitenzahlen, Logos, Quellenangaben, Sternchen mit Fußnoten - kurz: alle Informationen, die nicht auf die Aussage der Gesamtpräsentation einzahlen. Ich bekomme häufig Unternehmenspräsentationen zu sehen. Die ersten Folien erzählen meistens, wie viel Umsatz das Unternehmen macht, wie viele Mitarbeiter es beschäftigt, wie viele Standorte es hat und wo genau diese liegen, dann gibt es Angaben zur Historie, zum Gründer, zum präsentierenden Team und so weiter.

Auf meine Frage, warum das alles präsentiert wird, bekomme ich meistens die Antwort: "Um die Leute zu informieren." "Warum informieren?" "Damit die wissen, wer wir sind." - "Und warum?" "Damit die unsere Glasflakons kaufen." "Und wofür müssen die dann wissen, dass der Neffe des Gründers 1893 in Ittelfing den zweiten Produktionsstandort auf gemacht hat?" "???" "Und wofür müssen die wissen, dass die 500 Mitarbeiter auf zwölf Standorte verteilt sind, wobei zwei davon sich gerade noch im Aufbau befinden?"

Jede Aussage auf meinen Folien und in dem, was ich sage, muss auf die Botschaft und auf die Story meiner Präsentation einzahlen. So kann es durchaus sinnvoll sein zu zeigen, dass es über ganz Deutschland verteilt zwölf Standorte gibt, wenn ich damit sagen will, dass die Kunden nie weit fahren müssen, wenn sie die Produkte ab Werk kaufen möchten, oder dass schnelle Lieferzeiten garantiert werden können. Dann verwandelt sich Information in Botschaft.

Information alleine ist überflüssig bis schädlich - es sei denn, es handelt sich um unterhaltsame Prokrastination oder nacktes Entertainment (was natürlich immer gut ist). Punkt 3 ("Der Vortragende glaubt, dass etwas, das gleichzeitig gehört und gelesen wird, besser erinnert wird, als wenn es nur gehört oder nur gelesen wird.")ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Der Grund dafür, dass das gleichzeitige Lesen und Hören nicht hilft, ist eine Aufmerksamkeitsdiffusion. Ich lese eben nicht das, was ich gerade höre, sondern hänge noch hinterher oder lese schnell voraus, denn ich weiß ja nicht, wann der Redner klickt.

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