Montag, 20. November 2017

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So bekommen Sie Ihr Publikum in den Griff Diese Fehler sind tödlich für Ihre Power-Point-Präsentation

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3. Teil: Die drei großen Missverständnisse der Power-Point-Präsentation

Wenn wir einen Vortrag halten, dann denken wir, unser Neocortex - also unser Denk- und Analyseapparat - würde mit dem Neocortex der Zuhörer sprechen. Das stimmt nur leider nicht: Unser Neocortex spricht mit dem Krokodilgehirn der Zuhörer, und das kennt nur zwei Fragen: "Ist das gefährlich?" oder "Gibt es etwas zu essen?" Bei der Standard PowerPoint Folie eines durchschnittlichen deutschen Versicherungsunternehmens denkt zumindest mein Stammhirn: "Ich brauche zur Bewältigung meines Alltags schon so viel Prozessorleistung … sorry." Ende der Aufnahmebereitschaft.

Vorträge, zumindest wenn sie emotionalisieren, hängen bleiben, begeistern sollen, müssen auf der "Es gibt etwas zu essen" Schiene funktionieren. Titelfolien und Agenden fallen aber grundsätzlich in die Kategorie "Das ist gefährlich!".

Es gibt drei prinzipielle Missverständnisse zu Power-Point-Präsentationen:

1. Der Vortragende ist lediglich Assistent seiner eigenen Folien (die er leicht verändert vorliest).

2. Der Vortragende glaubt, alle Informationen müssten auch auf den Folien zu lesen sein (da diese gleichzeitig als Handout dienen).

3. Der Vortragende glaubt, dass etwas, das gleichzeitig gehört und gelesen wird, besser erinnert wird, als wenn es nur gehört oder nur gelesen wird.

Das Problem beginnt bei Punkt 1 mit dem üblichen weißen Hintergrund der Folien. Solche Folien lassen sich zwar leichter ausdrucken und als Handout missbrauchen als Folien mit schwarzem Hintergrund, haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Das Auge wechselt nicht gerne zum Redner, da die Pupille die Blende vergrößern muss, was anstrengend ist und blendet.

Im Schnitt blicken Zuhörer bei weißen Hintergründen zu über 70 Prozent auf die Folien, während sie bei schwarzen Hintergründen zu 70 Prozent auf den Redner schauen. Wer ist der Hauptdarsteller, der Redner oder die Folie? Ich habe schon viele Redner erlebt, die inhaltlich Sklaven ihrer Folien waren, die ihren Punkt, ihre Story, ihren Bogen gar nicht erzählen konnten, weil sie ständig noch sagen mussten, was ja auf den Folien steht.

Wird die Folie zum Notizzettel, hat sich der schöne Bogen oder die spannende Dramaturgie erledigt. Das Grundprinzip einer gut erzählten Story ist ja, dass der Erzähler schon weiß, was kommt. Power-Point-Folien sind weder als Notizzettel noch als Handouts geeignet. Viele glauben, sie würden Arbeit sparen, wenn die Präsentation zugleich das Handout ist. Das genaue Gegenteil ist richtig.

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