Montag, 20. November 2017

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So bekommen Sie Ihr Publikum in den Griff Diese Fehler sind tödlich für Ihre Power-Point-Präsentation

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2. Teil: Wieviele Bulletpoints sind gut? - Kein einziger!

Ich werde häufig gefragt, wie viele Bulletpoints denn auf eine Folie dürfen. Fünf oder sieben oder zehn? Die richtige Antwort lautet: Keiner! Das menschliche Gehirn ist nicht dafür ausgelegt, sich Listen zu merken. Unser Gehirn funktioniert in Bildern, Strukturen, Geschichten - nicht in Listen. Das wird schmerzlich deutlich, wenn ich versuche, Inhalte einer Nachrichtensendung mit zehn Meldungen wiederzugeben. Mehr als drei bekomme ich ohne Gedächtnistraining nicht zusammen.

Gleichzeitig weiß ich die unglaublichsten Dinge über Justin Bieber, obwohl Justin Bieber mich nicht im Geringsten interessiert. Mein Gehirn hat sich dennoch die ganze Geschichte seiner letzten Verhaftung gemerkt. Es hat gelernt, und das ohne Aufwand, weil es eine Story war. Stellen Sie sich diesen Lernerfolg einmal für die zehn Verhaltensregeln für das Durchqueren einer Lagerhalle vor.

Hier ein kleiner Ausflug in die Gehirnphysiologie. Weil ich meine Diplomarbeit als Psychologe über subliminale, also unterschwellige Wahrnehmung verfasst habe, kenne ich mich da ein wenig aus: Bis ein Reiz in unser Bewusstsein vorgedrungen ist, braucht er etwa 300 Millisekunden. Das Bewusstsein befindet sich im Neocortex, also ziemlich genau da, wo man die Hand drauflegt, wenn man "O mein Gott" denkt oder in einer Konferenz der fünften Power-Point-Präsentation ausgesetzt wird.

Alle Reize, die unser Gehirn durch das Sehen, Hören, Fühlen und so weiter erreichen, werden zuerst im Hirnstamm und im Mittelhirn voranalysiert. Der Hirnstamm, auch Reptiliengehirn genannt (im Englischen viel hübscher "Crocodile Brain", kurz "Croc Brain"), analysiert den hereinkommenden Reiz auf zwei Fragestellungen hin: Ist das gefährlich? Oder: Kann man das essen? Andere Fragestellungen sind dem Krokodilgehirn nicht bekannt.

Wenn ich also zu meinem Auto gehe, und plötzlich gibt es ein Geschrei, sagt mein Croc Brain: "Das ist (möglicherweise) gefährlich!" und gibt schon mal eine Information an das limbische System (das sitzt eine Etage höher im Mittelhirn), es solle den Beinen Bescheid sagen, dass die ein bisschen Sauerstoff vorhalten - denn es könnte ja sein, dass wir gleich weglaufen müssen.

Dann führt das Mittelhirn eine Art Querschnittsanalyse durch: Woher kommt das Geräusch, wie weit ist das weg, wo steht eigentlich mein Auto, gibt es Fluchtwege und so weiter. Und dann - nach zirka 300 Millisekunden - ist der Neocortex an der Reihe, der feststellt, dass sich dort zwei Leute streiten, das aber mit meinem Auto nichts zu tun hat und sie sich auch in ausreichendem Abstand befinden, sodass ich also entspannt weitergehen kann.

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