Montag, 24. Juli 2017

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Personalauswahl - Konsequenzen aus der Germanwings-Katastrophe Wenn der Falsche eingestellt wird

Wer trägt die Verantwortung für die Personalauswahl? Beim Gedenken an der Absturzstelle von Flug 4U9525 mit Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann (links) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr stand diese Frage noch nicht im Mittelpunkt. Jetzt schon.

Kommt das Gespräch auf die Personalabteilung, so scheinen sich alle einig zu sein. Egal ob personalwirtschaftliche Fachzeitschrift oder Personalkongress, egal ob manager magazin oder brand eins: Überall wird die Personalabteilung als verstaubtes und inkompetentes Relikt aus der Steinzeit beschrieben, von dem es sich möglichst rasch zu verabschieden gilt. Vertreter der Personalabteilung treten danach allenfalls als unverbindlich-beratende "Business Partner" auf, beklatschen die eigene Demontage und bejubeln sich auf brillant inszenierten Red-Carpet-Veranstaltungen.

Immer mehr Befugnisse werden an Führungskräfte und Mitarbeiter verschoben. Letzteres nennt man inzwischen "Demokratisierung": Mitarbeiter sollen ihren eigenen Chef wählen, zudem über Gehälter, Neueinstellungen und Arbeitsverteilung entscheiden. Auch sonst gilt es als chic, sich von der Personalabteilung zu distanzieren und sogar nach der Politik zu rufen, weil die Personalabteilungen versagt hätten.

Christian Scholz
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    Christian Scholz
    Christian Scholz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Sein zentraler Tätigkeitsbereich ist die Erforschung der Arbeitswelt: vom Personalmanagement bis zur Digitalisierungsstrategie. 2003 entstand die Trendstudie "Spieler ohne Stammplatzgarantie", 2014 das Nachfolgebuch zur Generation Z.
Also: eine schöne Unternehmenswelt - ohne irgendeine störende Personalabteilung.

Doch wer trägt am Ende die Verantwortung? Wenn falsche Leute eingestellt werden? Wenn wegen einer fehlenden Sicherheitskultur eine Ölplattform explodiert? Wenn Persönlichkeitsrechte und andere strafrechtlich relevante Vorschriften verletzt werden, weil Mitarbeiter beispielsweise Sanktionsvorschriften gegen den Iran einfach als irrelevant einstufen? Wenn Beschäftigte in Zulieferbetrieben in menschenverachtenden Umständen arbeiten müssen - aber das Unternehmen damit ja nichts zu tun hat?

Sind dafür Führungskräfte verantwortlich? Oder irgendjemand anders?

Offenbar ist dabei aber am wenigsten die Personalabteilung verantwortlich - denn weder will sie diese Verantwortung tragen, noch traut man ihr diese Verantwortung zu.

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