Sonntag, 20. Mai 2018

Personalauswahl - Konsequenzen aus der Germanwings-Katastrophe Wenn der Falsche eingestellt wird

Wer trägt die Verantwortung für die Personalauswahl? Beim Gedenken an der Absturzstelle von Flug 4U9525 mit Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann (links) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr stand diese Frage noch nicht im Mittelpunkt. Jetzt schon.

2. Teil: Was wir in Personalabteilungen nicht brauchen: den Chief Happiness Officer und den Finanzcontroller

In der Dokumentation "Mein wunderbarer Arbeitsplatz" auf ARTE erklärt die Personalchefin Laurence Vanhée, sie sei nicht mehr für die Human Ressourcen (HR) zuständig, sondern ab jetzt "Chief Happiness Officer". Ist das die Zukunft für HR? Geht es wirklich darum, als "CHO" Mitarbeiter glücklich zu machen?

Ist Glück der universelle Maßstab? Offenbar schon, wenn jüngst eine personalwirtschaftliche Fachzeitschrift sogar ihre redaktionelle Vision als "Wir machen Personaler glücklich" propagiert. Oder aber wenn man sich Seminarangebote anschaut, die HR durch ein "Feel-Good-Management" ersetzen - gleichzeitig damit werben, dass neue Mitarbeiter nicht mehr durch Recruiter der Personalabteilung ausgesucht werden, sondern durch Algorithmen.

Damit das jetzt nicht falsch verstanden wird: Natürlich soll nicht dafür plädiert werden, Mitarbeiter gezielt unglücklich zu machen. Ganz im Gegenteil: Das Betriebsklima ist zweifelsohne wichtig und viel zu oft ein viel zu großes Problem. Und natürlich kann man zu Recht darauf hinweisen, dass glückliche Mitarbeiter auch weniger Depressionen haben. Nur greift die Selbst-Definition als Chief-Happiness-Officer über "Feel-Good-Management" wesentlich zu kurz.

Und wenn man sich in der HR-Community umsieht, so steht der Jubel über diese neue hippe Personalarbeit zudem in scharfem Kontrast zur Realität. Denn viele Besetzungen speziell an der Spitze von HR verlaufen nach einem anderen Muster: Gesucht und gefunden werden Manager, die sich in Rationalisierungsprojekten bewährt haben, die Finanzen und Controlling beherrschen, vor allem sehen, dass letztlich Mitarbeiter primär Kostenfaktor sind. Fachwissen in Personalmanagement gilt als unnötig, wenn nicht sogar als störend ("Kaminkarriere").

Warum tolerieren eigentlich Aufsichtsräte die permanente Besetzung des Personalvorstands mit Quereinsteigern? Würde man einen Technikvorstand akzeptieren, der den Unterschied zwischen Gleichstrom und Wechselstrom nicht kennt? Würde man sich von einem Chirurgen operieren lassen, der als einzige Referenz eine Tätigkeit im Catering bei Bushido aufweist? Das alles nicht. Aber im Personalressort reicht offenbar das Wissen um Finanzen und Controlling.

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