Montag, 15. Oktober 2018

Das Gerede um "New Work" New Work - viel heiße Luft, aber auch ein schönes Fünkchen Wahrheit

New Work: Die neue Management-Methode (Agilität, Augenhöhe und so weiter) gilt als Wunderwaffe. Je tiefer der Schmerz einer Organisation, desto verheißungsvoller klingt das New-Work-Versprechen
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New Work: Die neue Management-Methode (Agilität, Augenhöhe und so weiter) gilt als Wunderwaffe. Je tiefer der Schmerz einer Organisation, desto verheißungsvoller klingt das New-Work-Versprechen

Die Management-Theoretiker haben eine neue Wunderwaffe entdeckt: New Work. Unter dem Begriff lässt sich so ziemlich alles sammeln, was mit Agilität, Augenhöhe und Selbstorganisation im weitesten Sinne zu tun hat. Davon verspricht man sich mehr Innovations- und Wertschöpfungskraft, kurz gesagt: New Work soll auf einen Schlag alle schmerzhaften Symptome einer dysfunktionalen Organisation auflösen.

All die Zeit und Energie raubenden Meetings, die wertschöpfungsfressende Firmenpolitik, die ewig langen Entscheidungsprozesse, das in den Köpfen festbetonierte Silodenken. Je tiefer der gefühlte Schmerz einer Organisation, desto verheißungsvoller klingt das New-Work-Versprechen, die Lösung für das digitalisierte und disruptionsfreudige VUCA-Zeitalter zu sein. Alle arbeiten hochmotiviert miteinander, den Kunden im Fokus und zum Wohle der Unternehmung selbstorganisiert kollaborativ und in friedlich-flinker Koexistenz.

Karin Maria Schertler
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    Karin Maria Schertler ist Mitglied der Geschäftsleitung von Serviceplan und verantwortlich für die interne Unternehmensberatung der Agenturgruppe, insbesondere für Prozess-, IT- und Organisationsentwicklung. Seit knapp zehn Jahren befasst sie sich mit gesellschaftlichen und betrieblichen Veränderungsprozessen.

Friede, Freude, Eierkuchen? Pustekuchen!

Größer könnte der Irrtum nicht sein, denn in dieser Erwartungshaltung stecken gleich mehrere Irrtümer. Und immer, wenn ein grundsätzlich guter Ansatz Gefahr läuft, zum Hype zu mutieren und überhöhte oder gar falsche Erwartungen in ihn hineinprojiziert werden, sind Enttäuschungen programmiert.

Es gibt zahlreiche Beispiele, dass New Work das Potential hat, die Wertschöpfungskraft und Vitalität einer Organisation positiv zu beeinflussen. Ob Upstalsboom, eine norddeutsche Hotelkette mit mehr als 600 Mitarbeitern, oder Semco, ein brasilianisches Industrieschwergewicht, das schon vor 30 Jahren unkonventionelle Managementpraktiken eingeführt hat. Ob die Sparda-Bank München mit ihren 290.000 Mitgliedern und 700 Mitarbeitern oder Morning Star, der weltweit größte Tomatenverarbeiter mit Sitz in Kalifornien und 600 Millionen Dollar Umsatz. So unterschiedlich die New-Work-Ansätze und -Praktiken sind - alle sind hochgradig erfolgreiche Unternehmen und höchst attraktive Arbeitgebermarken.

Und gerade weil in New Work ein wunderbarer Ansatz steckt, ist es so wichtig, genau hinzuschauen, was es zu leisten vermag und wie es gelebt werden muss, um sein volles Potential zu entfalten.

Es ist an der Zeit, die größten New-Work-Irrtümer aufzudecken - Vorhang auf!

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