Dienstag, 23. Oktober 2018

Kantinendates über "Mystery Lunch" Warum Ihre Firma will, dass Sie mit Fremden zu Mittag essen

Desaster beim Business Lunch: Diese Gerichte sollten Sie besser nicht bestellen
DPA

2. Teil: "Mystery Brainstorming" soll neue Ideen generieren

mm.de: Wie spontan sind die Leute denn so?

Drebes: Das ist abhängig von der jeweiligen Kultur. In Deutschland wissen die Leute schon gern zwei Wochen im Voraus, mit wem sie essen gehen werden. Wir bieten zwar auch eine Last-Minute-Option an, aber 97 Prozent planen längerfristig. In Vietnam gibt es keinen Mystery Lunch, sondern ein Mystery Meal, welches Frühstück oder Mittagessen sein kann. Mittags schläft man dort eine halbe Stunde nach dem Essen. Und in London bietet ein Kunde mit uns Mystery Coffee an.

mm.de: Lunch Roulette oder Random Lunch gibt es schon seit etlichen Jahren. Was ist bei Ihrem Angebot anders?

Drebes: Wir sind im deutschsprachigem Raum die ersten und auch eine richtige Firma, nicht nur ein Projekt. Wir setzen deutsche Datenschutzrichtlinien um.

mm.de: Das bedeutet?

Drebes: Zunächst stehen unsere Server in Deutschland und wir können die Sicherheit der Daten gewährleisten. Darüber hinaus sieht auch das beauftragende Unternehmen weder, wer am Programm teilnimmt, noch, wer mit wem essen war - auch nicht, wenn Sie mit einem bestimmten Kollegen vielleicht lieber nicht essen gehen möchten. Die bekommt nur die allgemeinen, anonymisierten Zahlen.

mm.de: Was kostet das Angebot für Ihre Kunden?

Drebes: Das kommt auf die Unternehmensgröße an. Bei bis zu 1000 Mitarbeitern sind es 600 Euro monatlich.

mm.de: Billiger wäre es doch, einfach in der Kantine einen Come-Together-Tisch aufzustellen, an den man sich setzen kann, wenn man neue Gesellschaft will.

Drebes: Es gibt auch Firmen, die genau das machen. Aber die Hemmschwelle ist wahrscheinlich größer, sich da hinzusetzen - vielleicht würden dort auch immer nur dieselben 20 bis 30 Kollegen sitzen. Und viele Leute planen ihren Lunch eben doch lieber weiter voraus.

mm.de: In Firmen, in denen Sie den Mystery Lunch anbieten: Wieviel Prozent der Mitarbeiter nehmen teil? Was betrachten Sie als guten Wert?

Drebes: Je nach Unternehmenskultur und Kommunikation im Unternehmen nehmen normalerweise zwischen 10 und 25 Prozent der Mitarbeiter am Mystery Lunch teil. In kleineren Firmen ist die Teilnehmerquote teilweise deutlich über 50 Prozent.

mm.de: Was haben Sie noch in der Ideen-Pipeline?

Drebes: Schon im Einsatz ist unser Mystery Brainstorming: Da wird ein Meeting mit Kollegen aus verschiedenen Bereichen organisiert, um an frische Ideen und Sichtweisen zu kommen. Eine Vorgabe dafür könnte sein, zehn technikaffine Mitarbeiter zusammenzuwürfeln, die sich ein bestimmtes Problem oder Projekt anschauen. Eine andere Idee ist das Job Shadowing, bei dem man einem Tag lang mal einem anderen Kollegen über die Schulter schauen und an dessen Arbeitstag teilnehmen kann; eine weitere ein Customer Lunch, bei dem Unternehmenskunden mit zufällig zugelosten Mitarbeitern essen gehen - das wäre eine gute Möglichkeit, Kunden und Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und den eigenen Mitarbeitern zu zeigen, dass man ihnen vertraut.

mm.de: Mit wem werden Sie heute zu Mittag essen, Herr Drebes?

Drebes: Heute gibt es für mich keinen Mystery Lunch: Meine Mutter ist gerade in München, wir treffen uns gleich zum Essen.

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