Donnerstag, 18. Oktober 2018

Wie Sie aus dem Motivationstief kommen Fünf Tipps gegen die Montagsübelkeit

Montagsübelkeit: Fünf Tipps gegen das Motivations-Tief
AP

"Liebe deinen Job und du musst nicht einen Tag mehr arbeiten." Wenn das mal so einfach wäre. Wer auch immer diesen mehr oder weniger klugen Satz mal von sich gegeben hat, der hatte wahrscheinlich keine unsympathischen Kollegen und einen wahnsinnig guten Chef. Oder er war selbstständig ohne direkten Kundenkontakt. Denn immer kann man seinen Job gar nicht lieben.

Gerade am Montagmorgen zeigt es sich, dass das mit der Jobliebe nicht so weit her ist: wo man hinschaut, lange Gesichter auf dem Weg zur Arbeit. Aufgekratzte Radiomoderatoren erzählen uns, dass es nur noch fünf Tage bis zum rettenden Wochenende sind, auf allen Social-Media-Kanälen sind Montags-Posts, die der Motivation Grenzen setzen. Wer Montags gute Laune hat, macht sich verdächtig, Drogen zu konsumieren oder ein schlimmes Wochenende gehabt zu haben. Auf der anderen Seite: Trainer, Coaches und Business-Gurus, denen zufolge man nur das tun muss, was einen glücklich macht - oder dass man nur den Hintern hoch kriegen müsse und dann würde alles schon von ganz alleine laufen …

Aber was stimmt denn nun? Wer hat Recht? Die klare Antwort: sowohl als auch. Für das vergangene Jahr haben die Krankenkassen herausgefunden, dass jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland bereits innerlich gekündigt hat. Und eine Gallup-Studie legt nach: Zwei von zehn Personen lieben ihren Job, sechs machen Dienst nach Vorschrift, sind aber nicht wirklich begeistert, und zwei von zehn hassen ihren Job derart, dass sie aktiv gegen ihr Unternehmen arbeiten (und die die sechs in der Mitte im Zweifel auch noch mitreißen).

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Anja Niekerken: Montags muss ich immer kotzen: Erste Hilfe gegen Arbeitsübelkeit

BusinessVillage, 222 Seiten, Mai 2018, 19,95 Euro

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Häufig wird der schwarze Peter für diese Misere den Führungskräften zugeschoben. Aber das ist nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit. Es gibt nicht den einen Grund, warum Arbeitnehmer Montage hassen. Wir leben in einer hochkomplexen Gesellschaft, in der jede Information nur einen Mausklick entfernt ist. Trotzdem wissen wir zu wenig über unsere Bedürfnisse und vor allem darüber, wie wir denn nun endlich Erfüllung in unserer Arbeit finden.

Natürlich ist die Coaching-Industrie nicht ganz unschuldig an der Vorstellung, dass wir bei unserer Arbeit ganz einfach unser Glück finden können, wenn wir nur wollten. Der Spruch "Du musst nur eine Arbeit finden, die du liebst, und du musst keinen Tag mehr arbeiten" hat nichts mit unserer modernen Arbeitsrealität zu tun. Im Prinzip ist er vergleichbar mit dem Satz "Du musst nur jemanden finden, den Du liebst und der Dich liebt, und Du wirst nie wieder einsam sein." Bei dem Satz merken wir sofort: Moment mal, da stimmt doch was nicht. Aber dem Satz mit der Arbeit, dem gehen wir auf den Leim.

Natürlich gibt es Zufriedenheit bei der Arbeit, und es gibt Arbeit, die zufrieden macht, die uns eine Richtung gibt, die mit unseren Werten übereinstimmt. Das Problem mit der Zufriedenheit ist: Im Grunde genommen arbeiten wir alle nur für Anerkennung und Zugehörigkeit. Das sind selbst für die größten Altruisten die Haupttriebfedern.

1954 stolperten die US-Forscher James Olds und Peter Milner vom California Institute of Technology eher zufällig über das Belohnungssystem im Gehirn von Ratten. Eigentlich wollten sie etwas über die Systematik von Lernprozessen herausfinden. Dazu implantierten sie den Tieren Elektroden ins Gehirn, setzten sie aber bei einer Ratte an der falschen Stelle ein, was für eine Überraschung sorgte: Das Tier fand den Elektroschock super und kehrte immer wieder an die Stelle im Versuchskäfig zurück, an der es den Impuls bekommen hatte. Bei weiteren Experimenten gaben Olds und Milner ihm die Möglichkeit, sich mit einem Hebel selbstständig einen Stromschlag zu verpassen und siehe da: Das Tier drückte nach ein paar Minuten Lernzeit regelmäßig auf den Hebel und zwar alle fünf Sekunden!

Seitdem erforschen Wissenschaftler das Belohnungszentrum. Aktuell weiß man, dass es keine spezielle Region im Gehirn ist, sondern es sich eher um eine Art Schaltkreis handelt, bei dem verschiedene Hirnregionen beteiligt sind. Botenstoff für diesen Austausch ist Dopamin. Das Hormon ist für die Erwartung, also die Vorfreude, zuständig. Eine Belohnungsreaktion im Gehirn wird in dem Moment gestartet, in dem wir eine Belohnung erwarten. Im Prinzip könnte man auch vom Motivationssystem sprechen, zumindest bis zu dem Punkt der Reaktion, wo das tatsächliche Ergebnis über den weiteren Verlauf der Gehirnreaktion entscheidet. Tritt das erwartete Ergebnis, also der Belohnungsreiz, ein, feiern Endorphine, Oxytocin und ein paar weitere Stoffe eine kleine Glücksparty in unserem Kopf. Jeder weiß, wie sich das anfühlt. Und Wertschätzung, Anerkennung, Sympathie und natürlich Liebe lösen diese großartige Party aus.

Das ist also einer der Gründe, warum wir uns Tag für Tag zur Arbeit schleppen - mal mehr und mal weniger motiviert: Wir sind Glückshormonjunkies. Joachim Bauer schreibt in seinem Buch "Arbeit - Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht!": "Auch wenn es vielen möglicherweise nicht bewusst sein mag, so ist es doch eine Tatsache: Ein zentrales, neurobiologisch (!) begründetes Motiv für die Bereitschaft des Menschen zu arbeiten ist der Wunsch nach direkter oder indirekter Anerkennung."

Wertschätzung, Anerkennung und Sympathie dienen der Gruppenzugehörigkeit. Schon zu Jäger-und-Sammler-Zeiten war man damit überlebenstechnisch einfach besser dran. Nette und nützliche Gruppenmitglieder wurden anerkannt und gewertschätzt. Und nützlich wurde man durch den Beitrag zur Gemeinschaft: Die Arbeit. Aber was kann man selbst tun, wenn man gerade in einem kilometertiefen Motivationsloch hockt? Hier geht es zu den fünf Tipps gegen die Montagsübelkeit.

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