Freitag, 19. Oktober 2018

Xing-Vorstand erklärt sein Handwerk Wie man gute Vereinbarungen mit Mitarbeitern trifft

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2. Teil: Wie trenne ich mich von einem Mitarbeiter?

Bei der Trennung von einem Mitarbeiter gibt es drei Phasen. Zuerst gibt es den Gedanken, dass eine Trennung womöglich richtig ist. Im zweiten Schritt wird diese Möglichkeit offen mit dem Mitarbeiter angesprochen und beleuchtet. Die dritte Phase beginnt dann, wenn ich dem Mitarbeiter mitteile, dass ich mich von ihm trennen möchte.

Die Trennung von Mitarbeitern fällt uns deswegen so schwer, weil wir Angst vor der Betroffenheit haben. Es geht um Existenzen, und wir möchten nicht schuld sein, wenn es existenziell wird. Es steht viel auf dem Spiel.

Eine Trennung im transparenten Lösungsraum zu vollziehen erfordert viel Mut. Häufig wird der Gedanke an Trennung, der im Unterbewusstsein anklopft, verdrängt. Die zweite Phase, eine Trennung anzusprechen, wird, obwohl man noch handeln und gegensteuern könnte, vermieden. Bis es dann nicht mehr geht und die Trennung hart und unerwartet kommt. Dann bricht für den Mitarbeiter eine Welt zusammen.

Wenn ich beherzt handle, wird es für beide Seiten befreiend sein. Ein wirklicher Dialog ermöglicht, sich auf Augenhöhe zu begegnen und erwachsen zu handeln. Es entstehen keine Tabus und zusätzliche psychologische Schulden, sondern wir können gemeinsam überlegen, ob und wie die Zusammenarbeit noch passen könnte. Dies findet in der zweiten Phase statt.

Und wenn ich mich nicht getraut habe oder alle Änderungsversuche nicht gefruchtet haben? Es hilft ja nichts. Dann beginne ich die Phase 3. Dafür brauche ich nicht noch irgendwelche fadenscheinigen Vorwände zu suchen oder zu schaffen. Ich bin ehrlich, stehe zu meinem Entschluss und sage dem Mitarbeiter am Anfang des Gespräches sofort: "Ich möchte unsere Zusammenarbeit beenden. Die Entscheidung steht." Dann ist es raus. Die Zeit danach gehört dem Mitarbeiter.

Ich versuche, das zu geben, was der Mitarbeiter nun braucht und fordert: Erläuterungen, Gehör, Trost oder einen Blitzableiter für seine Wut. Ich versuche, verständnisvoll und klar zu sein; Betroffenheit zuzulassen und auszuhalten. Nach einer Weile geht es dann nur noch um das Wie. Dabei ist es mir wichtig, dass eine Trennung mit Anstand und Fairness erfolgt.

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