Sonntag, 22. April 2018

Millennials unter den Managern Lasst endlich die Jungen ran!

Where is the limit?

Emanuel Macron in Frankreich, Sebastian Kurz in Österreich: Warum vertrauen Millionen Menschen einer jungen Generation von Politikern ihr Land an, während Manager in Deutschland der nächsten Generation von Mitarbeiten oft unbeholfen gegenüberstehen? Weil sie mehr Freizeit einer Gehaltserhöhung vorziehen? Weil sie die Sinnfrage auch im Arbeitsleben stellen? Die Millennials, also die nach 1980 Geborenen, haben inzwischen die nötige Erfahrung für Managementpositionen. Sie sind gut ausgebildet, sind Digital Natives, viele waren im Ausland. Wenn wir es ernst meinen mit der digitalen Transformation sowie mit der Übergabe von Verantwortung, dann sollten wir ihnen endlich echte Gestaltungsfreiräume geben.

Elke Eller
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    BPM/Amin Akthar
    Elke Eller ist Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager und Mitglied im Vorstand der TUI Group. Außerdem ist sie Mitglied des Aufsichtsrats der Nord/LB. Zuvor war sie in leitenden Positionen im Volkswagen-Konzern sowie für Gewerkschaften und gewerkschaftsnahe Stiftungen tätig.

Sicher, die Millennials bewegen sich anders durch das Arbeitsleben als der durchschnittliche Manager älteren Jahrgangs. Und ja, sie fordern mehr Ausgleich und Sinn für ihre Jobs ein. Die meisten fühlen sich auch nur in flachen Hierarchien wohl. Aber rechtfertigt das, sie bei jeder Gelegenheit als Faulpelze und anspruchsvolle Individuen mit überzogenen Ansprüchen abzutun wie das - bewusst überspitzt - der Meinungsmacher-Kolumnist Jakob Osman vor einigen Monaten auf manager-magazin.de getan hat?

Selbstversicherung statt Umdenken

Mir scheint, dass man sich mit einer solchen Haltung vor allem selbst versichern will, dass man so doch nicht arbeiten kann, dass man so doch nicht erfolgreich sein kann. Steckt dahinter vielleicht die Angst, von den Jungen überholt zu werden? Bei Osman sicher nicht, er ist ja selbst Mitglied dieser Generation. Doch viele ältere Führungskräfte, die sich ihr ganzes Leben abgerackert und Stress als stolzen Orden an der Brust getragen haben, empfinden es offenbar als ungeheuerlich, dass sie nun mit diesen Jungen zusammenarbeiten sollen, die mit beschwingter Leichtigkeit und in Turnschuhen Karriere machen.

Anstatt unsere Arbeitsweise von der Einstellung der Millennials abzugrenzen, sollten wir schleunigst damit anfangen, unsere eigene Arbeitskultur sowie unsere Arbeitshaltung zu überdenken. Kleiner Tipp: Turnschuhe im Büro zu tragen, reicht dazu nicht aus. Wir sollten uns an den früheren Opel-Slogan halten: Umparken im Kopf. Es geht nämlich um unser Mindset. Wir müssen begreifen, dass Kreativität, gute Ideen und der Wille zum Mitgestalten sich nicht wie von Geisterhand durch Hierarchien zu unseren Direct Reports durchstellen.

Mit den Millennnials haben wir eine Generation von Mitarbeitern in unseren Unternehmen, die eben nicht die Karriereleiter hochklettern wollen, um am Ende das Sagen zu haben. Sie wollen mitgestalten - und zwar schon heute. Die Studie "Ruf nach Freiheit" der TU München zeigt das sehr deutlich: Demnach würden vor allem die jungen Mitarbeiter ihr Engagement deutlich erhöhen, wenn sie über neue Produkte mitentscheiden dürften. Vier von fünf Befragten waren sogar überzeugt, dass mit einer stärkeren Teilhabe an firmenrelevanten Entscheidungen die Produktivität ihres Unternehmens stiege. Die Verfasser kamen zu der Schlussfolgerung, dass sich die Jungen - neben einem sicheren Beschäftigungsverhältnis - vor allem mehr Autonomie und Einflussnahme wünschten.

Lassen wir uns überraschen - und lassen wir sie machen

Wir alle müssen uns fragen: Geben wir den Millennials diese Autonomie überhaupt? Ermöglichen wir ihnen, Verantwortung zu übernehmen? Haben wir die richtigen Strukturen und die richtige Kultur dafür? Meine Beobachtung ist, dass diese Aspekte im Führungsalltag oft zu kurz kommen. Statt dem Wunsch nach Partizipation nachzukommen und einen wirklichen Beitrag einzufordern, lavieren wir meist innerhalb etablierter Strukturen und Hierarchien - während draußen die digitale Revolution die Welt verändert.

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt loszulegen und den Jungen mehr Verantwortung zu geben. Ich mache mir keine Illusionen: Mehr Entscheidungsspielraum in Unternehmen wird immer bedeuten, dass es anfänglich Irritationen geben wird. Freiräume zu nutzen, will gelernt sein, auf allen Hierarchieebenen. Denn nur so können Mitarbeiter und Manager erfahren, wo es abzuwägen gilt und wo sie dringend Rückkopplung brauchen. Außer Frage steht für mich aber, dass wir in Zukunft diese Optionen viel aktiver anbieten und fördern müssen. Und ich bin überzeugt, dass die Jungen uns noch überraschen werden, und zwar damit, wie sie es machen - wenn wir sie denn lassen.

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