Montag, 27. Juni 2016

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Führungskultur Die Wahrheit ist guten Chefs zumutbar

Den Rücken gerade machen: Das bringt Unternehmen weiter als Rumduckerei.

Angst ist nach wie vor ein beliebtes Führungsinstrument in unseren Unternehmen. Man kann am Menschenbild verzweifeln, das dahinter steht. Und an der Negativspirale, die das auslöst: Angst, weniger Innovationen, mehr Angst, noch weniger Erfolg.

"Kick their asses until they hate you". Dieses interessante Zitat war 2014 im manager-magazin zu lesen über den Chef eines großen börsennotierten Konzerns. Mitarbeiter hatten geplaudert, mit welcher Weltanschauung ihr Boss die Truppe so ans Laufen bringt. Von einem Angst-Regime war die Rede, von zuverlässig tränenfeuchten Augen gestandener Mitarbeiter beim Verlassen des Vorstandsbüros.

Der Herr regiert den Konzern zwar inzwischen nicht mehr, aber der Aufsichtsrat hat lange gezögert, ihn vor die Tür zu setzen - offenbar mit Rücksicht auf die Aktionäre und mit Blick auf die schwierige Lage in der Branche. Unterdessen hatten, wie man lesen konnte, jede Menge begabte Führungskräfte die Firma auf Nimmerwiedersehen verlassen. Der Rest verharrte offensichtlich in Schockstarre. Derweil brach der Markt, den dieses Unternehmen bediente und der sich in einem radikalen Wandel befand, immer schneller in sich zusammen.

Den Schatz der intrinsischen Motivation heben

In meiner eigenen Industriekarriere habe ich erlebt, wie oft in unseren Unternehmen immer noch über den Hebel "Angst" geführt wird - und welche Lähmung das erzeugt. Ich finde diese Art Führung ist menschenverachtend. Denn gerade bei Führungskräften kann man doch von vornherein auf eine intrinsische Motivation vertrauen. Sie wollen nichts sehnlicher, als einen Beitrag leisten, echten Sinn stiften, ihren Ziegelstein zur Vollendung der Kathedrale herbeischleppen und an der richtigen Stelle einsetzen.

Angst bringt die intrinsische Motivation zum Erliegen und die Menschen zum Verstummen. In meinen Coachings höre ich immer wieder. "Dem Chef sagt doch eh keiner die Wahrheit, das will er auch nicht hören". Umgekehrt fürchten die Führungskräfte im Vieraugengespräch mit mir: "Die Informationen, die ich bekomme, sind fast immer weichgespült".

Dabei sind gerade Chefs, die große Veränderungen managen müssen, darauf angewiesen, ein authentisches Bild zu bekommen. Wenn ihre Leute Angst haben, das Falsche zu sagen, verhindert das gute Ideen. Angst, seine Meinung zu äußern, begräbt andere Perspektiven, die für komplexe Lösungsfindungen aber notwendig sind. Angst, dem Vorgesetzten zu widersprechen, verschenkt die Chance, dass er sich als Führungskraft fachlich weiterentwickelt.

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