Dienstag, 30. Mai 2017

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Welche Führungskräfte weiterkommen - und welche nicht Wie Politiker-Typen in der Führung einem Unternehmen schaden

imago/Ikon Images

Jedes Unternehmen braucht Führungskräfte mit dem Willen zur Macht. Aber eben nicht ausschließlich. Wenn der Typ "Politiker" dominiert, führt das zu Frust und Stillstand. Die richtige Mischung ist entscheidend.

Der Coaching-Kunde ist ein echtes Rennpferd. Wer einen Manager braucht, der sein Ziel und das Ergebnis immer fest im Blick hat, Eitelkeiten und Gefühle außen vorlässt und von seiner Aufgabe ganz gefangen ist, der kann sich zu diesem Mann nur beglückwünschen. Hier ist endlich einer, der "liefert", wie es heute so schön heißt.

Doch er selbst steht kurz vor der Kündigung. Der Frust macht ihn krank. Mit seiner sachorientierten, manchmal etwas kantigen Art rennt er regelmäßig gegen die Wand. Die anderen haben das besser raus, die Kollegen und die Vorgesetzten: Machtpolitiker, gewiefte Strategen und Intriganten, mit allen Wassern gewaschene Überzeuger und Manipulatoren.

Statt endlich Entscheidungen zu fällen und neue Ideen umzusetzen, sind die ständig dabei, irgendwen irgendwo "abzuholen". Statt ihre Abteilung oder ein Thema zu managen, haben die vor allem ihren Chef gut im Griff. Statt dem Wohle des Unternehmens zu dienen, machen sie anderen das Leben schwer. So die Sicht der Sachorientierten.

Richtung Spitze - immer mehr vom Gleichen

Heidi Stopper
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    Heidi Stopper war zuletzt Vorstandsmitglied bei der Prosiebensat1 Medien AG. Die Juristin aus Ravensburg hat zuvor im Airbus-Konzern Karriere gemacht. Heute arbeitet sie selbstständig von München aus, und zwar als Business- und Karrierecoach und als Unternehmensberaterin für Transformationen und Digitalisierung.

Als Außenstehende kann ich schnell sehen: Hier haben zwei ein Problem. Mein Manager, weil er lernen muss, die Beziehungsebene mit in sein Handeln zu integrieren und andere Menschen nicht einfach zu überrennen. Und das Unternehmen, weil es offenbar bei den Auswahlkriterien für Führungskräfte falsch angesetzt hat und zu viele Politikertypen hochkommen lässt.

Das kann schnell passieren. Denn diese "Politiker" sind oft hervorragend darin, alle Stakeholder zu bedienen und zu befrieden. So wird dieser Manager-Typus schnell und leicht befördert und eben Richtung Unternehmensspitze immer mehr.

Wer mich kennt, weiß: Ich habe nichts gegen Macht. Wer führt, braucht einen gewissen Gestaltungswillen. Doch er braucht auch Leute, die die Dinge voranbringen. Wer immer nur Leute einstellt, die sind wie er selbst, bekommt nur mehr vom gleichen. Wer nur Politiker der Macht um sich schart, zerstört die Innovationsfähigkeit des Unternehmens.

Es z ä hlt, wie einer tickt

Machtpolitiker sind nicht per se falsch. Sie werden gebraucht- an der richtigen Stelle. Von ihrer Umgebung und in der Öffentlichkeit werden sie oft bewundert und respektiert. Doch sie brauchen mindestens genauso viele von der sehr sachorientierten Sorte und Macher um sich herum. Sonst verbreiten sie nur Frust und Lähmung. Nicht nur, was einer kann, zählt, sondern auch, wie er tickt. Das muss die Personalabteilung in ihre Vorgaben für die Personalauswahl aufnehmen. Und sie muss die Sachorientierten in Sachen "Beziehungsebene" schulen.

Die Mischung macht's. Es ist Aufgabe des Vorstands, diese gute Mischung herzustellen. Und es ist Thema des Aufsichtsrats, schon im Vorstand eine heterogene Truppe zu haben, deren Persönlichkeitsstrukturen verschieden genug sind, um eine gewisse Reibung zu erzeugen.

Anpacker des Wirtschaftswunders

Denn Reibung ist gesund, und der Fokus auf die Sache ist nicht falsch. Die Gründer erfolgreicher Unternehmen in Deutschland, auch die ersten Konzern-Bosse des Wirtschaftswunders, waren in der Regel Macher und Anpacker, komplett zielorientiert und zuweilen in der Verfolgung dieser Ziele etwas direkt. Solche Leute brauchen wir einfach wieder, in dieser schneller und digitaler werdenden Welt. Die Unternehmen können es sich nicht leisten, die Leistungsträger alleinzulassen mit ihren täglichen Frustrationen. Sie müssen dringend handeln. Das Investment in die Sachorientierten lohnt sich.

Handeln muss auch, wer, wie mein Kunde, sich als Manager mit viel PS in einem Umfeld der gegenseitigen Manipulation und Demütigung gefangen fühlt und dort verharrt. Denn er fügt sich selbst Leid zu. Das darf nicht sein. Er muss sich Hilfe holen, im Idealfall bei Mentoren im Unternehmen selbst, sonst außerhalb durch professionelle Ratgeber und Starkmacher, die das Beziehungsspiel mit ihm üben und ihn unterstützen. Er ist zu gut, um als lahmes Rennpferd im Stall bei Gnadenbrot zu enden.

Heidi Stopper arbeitet selbstständig als Business- und Karrierecoach und ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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