Donnerstag, 25. August 2016

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Wie Männer wirklich sind Teil 4 Das Märchen von der weiblichen Konkurrenz

Leistungsträger, Super-Papa, feuriger Liebhaber - es gibt unzählige Vorstellungen, wie moderne Männer zu sein haben. In seinem Buch "Männer" räumt Björn Süfke mit der Idee eines neuen Männerbildes auf. manager-magazin.de veröffentlicht Auszüge daraus als Serie. Im vierten Teil erklärt der Autor, dass Frauen den Männern mitnichten Arbeitsplätze wegnehmen. Und Männer mehr Hausarbeit machen, als viele glauben.

Viele Männer sind heute in der Krise, weil die orientierungs- und sinnstiftende Funktion der Erwerbsarbeit bröckelt. Und manchmal auch, weil sie mit der neuen weiblichen Konkurrenz am Arbeitsmarkt sowie mit den teilweise neuen Unternehmenskulturen noch nicht umzugehen wissen, ihnen aber die frauentypischen Arbeitsfelder als Alternative auch nicht wirklich offenstehen.

Folgt man der öffentlichen Debatte, könnte man manchmal den Eindruck gewinnen, die einzige Krise, das einzige Problem, das für Männer aus den Entwicklungen des letzten halben Jahrhunderts resultiert, ist die Tatsache, dass "Frauen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen". Die Logik dieses "Arguments" ist löchrig. Frauen könnten den Männern ja nur dann "Arbeitsplätze wegnehmen", wenn an den Plätzen, wo bislang mehrheitlich Frauen waren, nicht gearbeitet wird. Das allerdings ist eine gewagte These. Das sage ich jetzt nicht nur aus eigener Erfahrung als Vater von drei noch recht kleinen Kindern. Auch viele Schätzungen der Gesamtarbeitszeiten von Frauen und Männern deuten in eine andere Richtung: Je nach Untersuchung ist da von bis zu einer halben Stunde mehr täglicher Freizeit bei Männern die Rede (…).

Björn Süfke
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    Süfke
    Björn Süfke ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Psychotherapeut mit Männern aller Altersstufen. Er lebt mit seiner Familie bei Bielefeld. Zuletzt erschienen von ihm "Männerseelen. Ein psychologischer Reiseführer" (Patmos, 2010), "Die Ritter des Möhrenbreis. Geschichten von Vater und Sohn" (Walter, 2010). Weitere Informationen unter www.maenner-therapie.de.
Ich persönlich traue diesen Einschätzungen (…) nicht hundertprozentig. In den meisten Untersuchungen zum Ausmaß der verrichteten Hausarbeit kann ich etwa die Posten "Steuererklärung machen", "Handwerker bestellen (und überwachen)" oder "Autoreifen wechseln" nicht auffinden. Viele mehrheitlich von Frauen erledigte Arbeiten von "Bügeln" bis "Wäsche waschen" werden hingegen dezidiert aufgelistet. Offensichtlich wird längst nicht alles, was Mann im Haus so macht, auch als "Hausarbeit" verstanden. Wertet man zudem den Mehraufwand von Frauen bei der persönlichen Pflege sowie den "Shopping"-Anteil an der Nicht-Freizeitaktivität "Einkaufen" als Freizeit, ergibt sich (…) fast ein Gleichstand.

Trotz solcher "blinder Flecken" bei der Datenerhebung ist meines Erachtens kaum davon auszugehen, dass Frauen in traditionell organisierten Gesellschaften jemals nennenswert weniger gearbeitet haben als Männer. Durch eine gesellschaftliche Entwicklung, die mehr Frauen in den Erwerbsarbeitsmarkt bringt, wird Männern also nicht unbedingt Arbeit weggenommen. Es geht vielmehr um eine gesellschaftliche Umverteilung der Arbeit.

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