Dienstag, 26. Juli 2016

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Wie Männer wirklich sind Teil 3 Die Elternzeit-Lüge

Leistungsträger, Super-Papa, feuriger Liebhaber - es gibt unzählige Vorstellungen, wie moderne Männer zu sein haben. In seinem Buch "Männer" räumt Björn Süfke mit der Idee eines neuen Männerbildes auf. manager-magazin.de veröffentlicht Auszüge daraus als Serie. Im dritten von fünf Teilen erklärt der Autor, warum immer noch so wenige Väter Elternzeit nehmen.

Sehr traditionelle Männer und Frauen betrachten den Mann ganz selbstverständlich als minderbemittelte Erziehungsperson. Viele solcher (…) Männer geben ja auch ohne jedes Zucken zu, dass ihre Frauen Kindererziehung besser können als sie selbst. Das ist auf eine gruselige Art faszinierend, insbesondere angesichts der Tatsache, dass dieselben Männer sich eher duellieren würden, als die Behauptung gelten zu lassen, ihre Frauen könnten besser Auto fahren oder geschickter mit der Bohrmaschine umgehen als sie. Es zeigt, wie subjektiv unbedeutend väterlich-erzieherische Qualitäten für diese Männer und meist auch für ihre Frauen sind.

Jene Männer und Frauen, die das Gesetz der Traditionellen Männlichkeit etwas kritischer sehen, werten die Erziehungsfähigkeiten des Vaters meist etwas weniger explizit ab. Das ändert aber nichts daran, dass die Frage der Erziehungshoheit auch bei diesen Paaren meist schnell geklärt ist.

Was die gesellschaftlichen Strukturen betrifft, die es Männern weiterhin erschweren, als gleichberechtigter Elternteil Fuß zu fassen, muss ich wohl ebenfalls nicht viele Beispiele anführen. Wir sind immer noch weitgehend auf das "Mann geht voll arbeiten, Frau ist zu Hause mit den Kindern2-Modell ausgerichtet. In letzter Zeit wurde es erweitert um die Variante "Mann geht voll arbeiten, Frau arbeitet halbtags, während die Kinder in der Kita oder Schule sind". Bei diesem neueren Modell teilt die Mutter die Erziehung allerdings auch nicht verstärkt mit dem Vater der Kinder, sondern mit den Kita-Erzieherinnen oder Grundschullehrerinnen, also mit anderen Frauen.

Björn Süfke
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    Süfke
    Björn Süfke ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Psychotherapeut mit Männern aller Altersstufen. Er lebt mit seiner Familie bei Bielefeld. Zuletzt erschienen von ihm "Männerseelen. Ein psychologischer Reiseführer" (Patmos, 2010), "Die Ritter des Möhrenbreis. Geschichten von Vater und Sohn" (Walter, 2010). Weitere Informationen unter www.maenner-therapie.de.
Streng genommen ist dieses Modell also nur die leicht veränderte Variante der jahrhundertealten Tradition in der ehemaligen Großfamilie, wo sich die Großmutter, eine schon erwachsene Tochter oder vielleicht eine kinderlose Schwester um die Kinder kümmerte, während die Mutter im Haushalt oder auf dem Hof arbeitete. Was in beiden Modellen auf jeden Fall erhalten bleibt, ist die Konstante "Mann geht voll arbeiten". Es wirken also in vielen Fällen nicht nur die gesellschaftlichen Schubkräfte, die Männer aus der Familienarbeit oder aus Kinderversorgungsberufen hinausdrängen, sondern ganz wesentlich die Zugkräfte, die sie weiterhin magnetisch in Richtung Erwerbstätigkeit ziehen.

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