Montag, 30. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Wie Männer wirklich sind Teil 2 Das Ende der Männerfreundschaft

Viele Männer haben einen Großteil der emotionalen Unterstützung ihres Lebens am Kneipentresen erfahren

Leistungsträger, Super-Papa, feuriger Liebhaber - es gibt unzählige Vorstellungen und Ratgeber dazu, wie moderne Männer zu sein haben. In seinem Buch "Männer" räumt Björn Süfke mit der Idee eines neuen Männerbildes auf. manager-magazin.de veröffentlicht Auszüge daraus als Serie. Im zweiten Teil erklärt der Autor, warum es die viel gerühmten Männerfreundschaften heute nicht mehr gibt. Und welche Folgen das hat.

Viele Männer sind heute in der Krise, weil sie keinen "alten" Männerfreund mehr haben, der mit ihnen - wenn auch oft schweigend - durch Dick und Dünn geht. Und leider auch noch keinen neuen Männerfreund, mit dem sie vielleicht sogar über Dickes und Dünnes sprechen könnten.

Als ich ein Kind war, waren Auslandsfahrten noch etwas Besonderes. Flugreisen sowieso. Heute muss man sich gegenüber Freunden rechtfertigen, wenn man es ablehnt, für ein Wochenende auf die Balearen mitzufliegen. Mobilität ist kein Luxus mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist die Welt ein Dorf.

Als aber ein Dorf noch die Welt war, hatten Männer schlicht mehr Freunde. Sie hatten Sandkastenkumpels, Schulkameraden, Ausbildungskollegen oder Kommilitonen und waren in mindestens einer Sportmannschaft. Verabreden mussten sie sich nicht unbedingt: Wenn ein Mann seine Freunde treffen wollte, ging er einfach in die Stammkneipe. Wenn er Sorgen hatte, sowieso.

Björn Süfke
  • Copyright: Süfke
    Süfke
    Björn Süfke ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Psychotherapeut mit Männern aller Altersstufen. Er lebt mit seiner Familie bei Bielefeld. Zuletzt erschienen von ihm "Männerseelen. Ein psychologischer Reiseführer" (Patmos, 2010), "Die Ritter des Möhrenbreis. Geschichten von Vater und Sohn" (Walter, 2010). Weitere Informationen unter www.maenner-therapie.de.
Heute haben die meisten Männer immer noch Sandkastenkumpels, Schulkameraden, Ausbildungskollegen oder Kommilitonen. Leider wohnen die aber alle in London, Rom, Brasilien oder Thailand, mindestens aber am anderen Ende der Republik. Internet, Smartphones, Skype und WhatsApp mögen vieles sein. Ein Tresen sind sie nicht.

Jetzt werden einige die Augen rollen angesichts solch bierseliger Nostalgie. Aber nüchtern betrachtet haben tatsächlich viele Männer einen Großteil der emotionalen Unterstützung ihres Lebens am Kneipentresen erfahren. Dieses Bild wird ja zum Beispiel auch in Christian Ulmens Webserie Mann/Frau intensiv aufgegriffen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH