Montag, 26. September 2016

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Pilotenstreik der Lufthansa Mehr Frauen ins Cockpit - die Herren der Lüfte treiben die Lufthansa in den Ruin 

Im Sinkflug: Die Lufthansa kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Die Pilotengewerkschaft will notfalls jahrelang streiken - und bringt damit die Airline insgesamt in Gefahr

Die zwölf vergangenen Streikrunden der Piloten haben die Lufthansa bereits 330 Millionen Euro gekostet. Dazu der Image-Schaden: Je öfter die Piloten zu Hause bleiben, desto mehr leidet der Ruf der Linie als verlässlicher Partner für Reisende.

Diese 13. Streikrunde der Piloten wird nicht billiger werden. "Grundsätzlich ist bis auf Weiteres in jeder Woche mit Streiks zu rechnen", heißt es aus der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Nur Arbeitsniederlegungen an den Weihnachtstagen werden bislang ausgeschlossen.

Uns Stammkunden wird es bei solchen Worten ganz schwummerig - ahnen wir doch, dass wir mit Sicherheit hängen gelassen werden, umbuchen und um Mietwagen kämpfen müssen, Termine verpassen und Geschäfte nicht vorantreiben werden und überhaupt jede Menge Energie verschleudern, die wir dringend woanders einsetzen sollten.

Nach den vergangenen Querelen vor etwa einem halben Jahr hatte die Lufthansa Börsen-Chart zeigen mit ihren Piloten eine "Gesamtschlichtung" besprochen - aber ganz offenbar waren die Streitenden nie wirklich einer Meinung, was das genau zu bedeuten habe. Die Gewerkschaft wollte dabei stets die Verschiebungen von Jobs zu der in Wien neu angesiedelten Billigtochter Eurowings mitdiskutieren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr jedoch sah das als eine von den Tarifpartnern unabhängige unternehmerische Entscheidung. Folglich war er bislang nicht bereit, die konkreten Schritte zum Aufbau der Billiglinie in der Verhandlungsphase zu stoppen.

Eurowings sitzt in Wien und stellt derzeit Piloten zu Gehältern ein, die rund 40 Prozent unter dem bisher bei Lufthansa üblichen Niveau liegen. Ab 2016 soll ein Germanwings Jet pro Monat auf die neue Firma übertragen werden.

Es geht nur formal um die Vorruhestands-Bezüge der Piloten

Heiner Thorborg
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    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder International gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich), die Initiative "Generation CEO", "The Female Factor" sowie thorborg&virzí mit den Standorten Frankfurt und Zürich.
Tatsächlich geht es also nur formal um die Vorruhestands-Bezüge für die ohnehin fürstlich entlohnten Lufthansa-Piloten, faktisch aber um den Umbau zum Billigflieger. Die Kapitäne meinen, dass sie eigentlich nichts zu verlieren haben: Wenn die Muttergesellschaft wie geplant durch eine Schrumpfkur geht, sinken die Beförderungschancen für die verbleibenden Piloten. Aus der VC ist daher zu hören, man könne nötigenfalls jahrelang streiken.

Umgekehrt glaubt auch Spohr, dass die Lufthansa auf Dauer nur dann überlebensfähig bleibt, wenn sie sich modernisiert. In dieser Haltung wird er von den Lufthansa-Aktionären gestützt - und hält Kurs.

Kranich-Piloten reagieren ähnlich verbohrt wie GDL-Chef Weselsky

Und genau hier stößt die Tarifpartnerschaft an ihre Grenzen. Unkündbar und wissend, dass die Lufthansa nie mit Aussperrung antworten würde, reagieren die Kranich-Piloten nun ähnlich verbohrt wie die Lokführer der Deutschen Bahn unter der Führung von Gewerkschafter Claus Weselsky. Der hat ungefähr so viel Verhandlungsbereitschaft und -geschick wie der Tisch, an dem er sitzt. Dafür aber jede Menge Willen, den Machtbereich der GDL zu erweitern - zu Lasten der Bahn und ihrer Kunden.

Aus purem Egoismus und sehenden Auges schicken diese Leute ihre Unternehmen in den Abgrund, völlig anders als Belegschaften, deren Betriebsräte dafür sorgen, dass frühere und nicht mehr tragbare Privilegien reduziert werden - weil sie genau wissen, dass es auch für die Arbeitnehmerschaft nicht weitergeht, wenn ein Betrieb in Schieflage gerät.

Doch die Herren der Lüfte sind offenbar nicht nur beratungsresistent, sondern leider auch nicht lernfähig. Wenn sie der Lufthansa schließlich die Flügel gestutzt haben, sind ihre Jobs nämlich ganz weg, so einfach ist das. Mitbestimmung funktioniert, aber nicht so, wie sich die Piloten das vorstellen. Aber was nun?

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