Freitag, 27. April 2018

Unser falscher Umgang mit Kosten Darf noch ein bisschen mehr Geld aus dem Fenster geworfen werden?

Ratgeber: Wie Sie ihr Denken in den Griff bekommen
Fotos
DPA

3. Teil: Was machen Sie jetzt? Aufgeben? Auf keinen Fall.

Buchtipp

Leon Windscheid
Das Geheimnis der Psyche: Wie man bei Günther Jauch eine Million gewinnt und andere Wege, die Nerven zu behalten


Ariston, 3/2017, 288 Seiten, 19,99 Euro

Jetzt kaufen

Was machen Sie jetzt? Aufgeben? Auf keinen Fall. Das ganze Geld, der Schweiß, das Blut und die Wut, die mit diesem verdammten Carport verbunden sind, sollen nicht umsonst gewesen sein. Und dann noch Ihre Frau mit dieser Vorahnung. Also schnell eine Woche ins Büro und am darauffolgenden Wochenende weiter. Beim Versuch, die erste Dachplatte auf das Wirrwarr aus Balken und Latten zu spaxen, stolpern Sie von der Leiter und brechen sich den Arm. Noch als die Sanitäter die Krankenwagentür zuschlagen, rufen Sie Ihrer Frau zu, dass Sie alles im Griff haben.

Unser Hirn hasst es, Geld aus dem Fenster zu werfen. Die Sunk Cost Fallacy besagt, dass wir mit "versunkenen Kosten" (so der deutsche Begriff) falsch umgehen. Im Fall des Carportbaus oder meiner Partys in Osnabrück werden, statt die Sache abzuschreiben und die bereits investierten Ressourcen als verloren zu betrachten, so lange Geld, Zeit und Energie hineingepumpt, bis die Katastrophe perfekt ist. Besonders dann, wenn wir selbst das Geld versenkt haben, tun wir uns schwer, von dem einmal begonnenen Projekt abzulassen.

Statt einen Haken hinter das verlorene Geld meiner neuen Partyreihe zu setzen, bezog ich es immer weiter in meine Entscheidungen ein. "Ich habe schon so viel investiert, jetzt muss ich sehen, dass ich das wieder raushole." Bei der Sunk Cost Fallacy muss es nicht immer um die dicke Kohle gehen.

Lesen Sie auch: Diese zehn Moralfragen sollten Sie sich jetzt stellen

Vielleicht finden Sie sich in einem der folgenden Beispiele wieder, die zeigen, wie sehr versunkene Kosten unser Verhalten beeinflussen: Sie gucken die doofe Netflix-Serie doch zu Ende, obwohl Sie seit vielen Folgen gelangweilt sind. Sie gehen weiter zum Yogakurs, dessen freakige Leiterin Sie extrem nervt, weil die Kursgebühr ja schon bezahlt ist. Sie treffen sich noch mal mit Tom, obwohl der Ihnen schon beim ersten Treffen ziemlich öde vorkam, aber mittlerweile haben Sie so viel Zeit und Hirnschmalz in Tom investiert, dass Sie ihm immer wieder eine weitere Chance einräumen.

Die Tendenz, unser Verhalten wie mit Kaugummi an unsere Entscheidungen aus der Vergangenheit zu kleben, konnte vielfach in psychologischen Experimenten nachgewiesen werden. Erstmals beschrieben wurde der Effekt 1985 von den beiden Wissenschaftlern Hal Arkes und Catherine Blumer, die mit ihrem Experimentalklassiker zeigten, dass wir uns offensichtlich sinnlos verhalten, wenn wir Angst bekommen, andernfalls Kosten zu versenken.

Die Wissenschaftlern forderten ihre Probanden auf, sich vorzustellen, einen kurzen Skitrip nach Michigan für 100 Dollar gebucht zu haben. Kurz darauf, so die Geschichte, hätten sie aber ein noch viel besseres Angebot in Wisconsin gebucht, das nur 50 Dollar kostet. Das Ganze ging so schnell, dass die Teilnehmer leider übersehen hätten, dass die beiden Trips am selben Wochenende stattfinden. Ein Umtausch oder Weiterverkauf ist nicht möglich.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH