Freitag, 27. April 2018

Unser falscher Umgang mit Kosten Darf noch ein bisschen mehr Geld aus dem Fenster geworfen werden?

Ratgeber: Wie Sie ihr Denken in den Griff bekommen
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2. Teil: Der Fallstrick der "Sunken Cost Fallacy"

Natürlich fielen mir zunächst viele mögliche Gründe für den vergeigten Start ein: Regen, eine coole Party bei der Konkurrenz und zudem Klausurenphase. Doch in der Woche darauf kamen nicht mehr, sondern noch weniger Leute. Scheinbar hatte sich rumgesprochen, wie wenig bei unserem ersten Event los war, und niemand, der was auf sich hält, geht auf menschenleeren Partys feiern.

Was tun? Mehrere Tausend Euro waren investiert, die DJs gebucht, die Werbeflächen schon im Voraus für die nächsten Wochen bezahlt. Ich entschied, weiterzumachen und den Werbedruck und damit die Ausgaben noch mal zu erhöhen. Viel zu viel war schon investiert. "Das darf jetzt einfach nicht schiefgehen", sagte ich zu mir selbst. So ging es noch ein paar Wochen weiter. Ich pumpte immer mehr Geld in das Unterfangen, nur um das längst versunkene Startinvestment zu retten.

Irgendwann war Schluss. Den anfänglich investierten 3000 bis 4000 Euro hatte ich mittlerweile mindestens genauso viel hinterhergeworfen. Heute bin ich sehr froh, dass mir das Ganze als Jungunternehmer und "nur" mit ein paar Tausend Euro passierte. Die "Sunk Cost Fallacy " ist nämlich ein psychologischer Fallstrick, der gestandene Manager schon zu Millionenverlusten brachte.

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Der Fehler bei der Sunk Cost Fallacy besteht in unserer Tendenz, ein einmal angefangenes Projekt auch zu Ende zu bringen. Koste es, was es wolle. Und zwar deswegen, weil wir schon in das Projekt investiert haben. Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Carport-Bausatz von Hornbach zusammenzimmern. Der hat 850 Euro gekostet. Ihre Frau hat Sie freundlicherweise schon vorab auf Ihre limitierten handwerklichen Fähigkeiten hingewiesen und von dem Vorhaben abgeraten. Aber der wollen Sie es jetzt zeigen. Am Freitag holen Sie den Bausatz mit einem gemieteten Anhänger vom Baumarkt ab.

850 Euro ka-ching plus 35 Taler für den Anhänger noch mal ka-ching. Außerdem fahren Sie vor lauter Elan einem anderen Auto den Seitenspiegel auf dem Baumarktparkplatz ab. Das kostet eine Stunde Zeit, bis die Polizei den Fall aufgenommen hat, eine gute Portion Nerven und sicher einen kleinen Zuschlag bei Ihrer Haftpflichtversicherung. Wieder ka-ching. Zu Hause angekommen, finden Sie die Bohrmaschine nicht. Zurück zum Baumarkt, eine leihen - ka-ching.

Sie beginnen Ihr Werk. Unzählige Flüche, fünf Prellungen, zwei Tage und einen blauen Daumen später steht vor Ihnen tatsächlich ein Konstrukt. Das erinnert allerdings eher an die expressionistische Holzskulptur eines übermotivierten Kunststudenten als an einen Carport.

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