Dienstag, 22. August 2017

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Souveränität ist erlernbar Diese Gesten sollte jeder Manager drauf haben

Wir sprechen auch mit unseren Händen, und das ist gut so
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Wir sprechen auch mit unseren Händen, und das ist gut so

Stefan Verra
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    Severin Schweiger
    Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im deutschen Sprachraum. Seine Vortragsreisen führten ihn bisher in 13 Länder auf vier Kontinenten. Er ist Universitätsdozent, Bestsellerautor und teilt seine Tipps und Körpersprache Analysen auf www.stefanverra.com.

"Wer mit den Händen spricht, hat nichts zu sagen!" Genau das habe er in seiner Ausbildung gelernt, sagte mir einmal ein ARD-Moderator. Wie falsch so eine Aussage nur sein kann! Der Mensch kann ohne seine Hände gar nicht sprechen, es sei denn, man hat es ihm in der Schule und Beruf abgewöhnt. Wie schade, denn besonders an der Gestik erkennen wir die Wirkung der Worte. Die Begeisterung eines Kindes, die Kraftlosigkeit eines Enttäuschten oder der Zorn eines Zurückgewiesenen: Immer erkennen wir es an der Körpersprache.

Auch Sie senden ständig non-verbale Signale aus - wobei die meisten im Vor-Bewusstsein hängen bleiben. Oft ist das völlig ok. Besonders in Situation in denen es ohnehin "läuft". Und sonst? Wenn Sie nervös sind? Unsicher sind?

Echte Profis haben für solche Momente Werkzeuge an der Hand. Mit denen wirken sie auch in Ausnahmesituationen souverän. Es ist nämlich gar nicht so schwer, Sicherheit und Kompetenz zu vermitteln - wenn man weiß wie. Dabei spielen die Mimik, das Tempo Ihrer Bewegungen und auch die Körperhaltung eine Rolle. Und der Clou sind Ihre Hände.

Der Dreh mit den Händen

Flughafen Houston, ein texanisches Unwetter. Viele Flüge sind verzögert, einige ganz gestrichen. Die Passagiere aus aller Welt warten und werden immer unruhiger. Eine Frau im Outfit der Fluggesellschaft kommt aus einem Büro und stellt sich vor die nervöse Menge. Die Drängeleien werden heftiger, die Rufe lauter, jeder will seine Dringlichkeit über die der anderen stellen. In diesem Moment beweist sie ihre Professionalität. Sie beginnt nicht sofort zu sprechen, denn sie weiß: Zuerst muss sie die Emotionen beruhigen, zeigen, dass sie die Sache unter Kontrolle hat. Deswegen macht sie zuerst eine bedeutsame Gestik und wie von Geisterhand wird die Menge ruhiger und starrt gebannt auf sie. Ich wurde Zeuge dieser Szene im Mai 2016.

Die Mitarbeiterin der Fluggesellschaft setzte jene Geste ein, die man im amerikanischen "palm down" nennt. Dabei werden die Handflächen Richtung Boden gedreht und kleine, sanfte Wippbewegungen gemacht. "Seien Sie beruhigt, wir bringen Sie hier alle rechtzeitig raus."

Dieses Signal wirkt beruhigend und verleiht dem Handelnden ein enormes Maß an Sicherheit. Das gilt übrigens kulturunabhängig. Egal wo auf der Welt Sie sind und egal welche Sprache gesprochen wird, diese Handbewegung verstärkt ein souveränes Auftreten. Sie erinnert an eine Geste der Behütung, ein Signal des Schützens.

Setzen Sie diese Geste dann ein, wenn Sie Souveränität vermitteln wollen. In der Praxis können Sie diese Geste auch mit einer kleinen (!) Wischbewegung verbinden. Und natürlich funktioniert sie auch mit einer Hand, was allerdings die Wirkung mindert. In einer sitzenden Situation legt man einfach die Fingerspitzen sanft auf den Tisch. "Somit sind wir uns in dieser Sache also einig".

Aber Achtung, diese Gesten "funktionieren" nur, wenn sie mit Bedacht und zurückhaltend ausgeführt werden. Zu hektisches Wippen auf Brusthöhe wirkt nervös, nicht souverän. Wenn Sie dann noch zwei Red Bull intus haben, heben Sie ab.

Also: Behalten Sie Bodenhaftung - und zeigen Sie das auch!

Unser Gastkommentator Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in Deutschland. Er ist Dozent und Autor zahlreicher Bücher.

Verra ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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