Dienstag, 26. September 2017

Die Wahrheit über Körpersprache Mit Körpersprache Menschen manipulieren - geht das?

Donald Trump

Bauch rein, Brust raus, Knie zusammen - je kontrollierter man agiert, desto leichter kann man Menschen für sich einnehmen. Wie Körpersprache funktioniert, glaubt jeder zu wissen. Doch bei näherem Hinsehen stellt sich heraus: Ganz so einfach ist es nicht. Viele der landläufigen Interpretationen von Körpersprache sind nichts weiter als Mythen. Eine Aufklärung in fünf Teilen.

Körpersprache ist ja spannend. Allerdings auch ein wenig gefährlich. Finden Sie nicht? All diese versteckten Signale mit den Armen und Händen. Und dann auch noch diese Mikromimik. Da gibt es ja Leute, die sind echte Profis darin. Die manipulieren dich schneller, als du denken kannst. Die senden nonverbale Signale aus, die nur wenige Millisekunden dauern und ohne dass du es merkst - schwupps! - bist du in ihren Fängen.

So oder so ähnlich denken viele. Die geheime Welt der Köpersprache - ein Mysterium. Aber funktioniert das eigentlich wirklich? Kann man mit Körpersprache andere Menschen manipulieren?

Kurze Antwort: Ja, mit Körpersprache kann man manipulieren! Und noch viel schlimmer: Es gibt keine Körpersprache, die nicht manipuliert!

Nehmen wir an, Sie rempeln jemanden versehentlich an. Was Sie anschließend tun, hängt stark davon ab, wie die Person reagiert, der Sie gerade zu nahe getreten sind. Wenn sie Sie mit tief nach unten gezogenen Augenbrauen und gesenktem Blick ansieht, dabei die Kiefer fest zusammen beißt und dazu noch Fäuste ballt, dürfte Ihre Reaktion ganz anders ausfallen, als wenn der Mensch Sie freundlich anlächelt. Was auch immer er tut: In jedem Fall hat er Sie manipuliert.

Alles ist manipulativ

Diese Manipulation war sehr offensichtlich, da die Signale so deutlich waren. Viel häufiger sind die Signale subtiler. So subtil, dass sie nicht einmal in unser Bewusstsein vordringen. Manipulation bedeutet eine meist versteckte Einflussnahme. Der Begriff ist für viele Menschen deswegen so negativ behaftet, da uns die Kontrolle über diese Einflussnahme fehlt. Wenn wir also von etwas beeinflusst werden und es selber nicht steuern können, ja, wenn wir es nicht einmal mitbekommen, da kann man schon mal skeptisch werden.

Finden Sie auch? Dann dürfte Sie das hier interessieren: Alles, was wir wahrnehmen, beeinflusst und manipuliert uns. Alles! Sobald ein Reiz so stark ist, dass er das Ionengleichgewicht in der Zellmembran aus dem Gleichgewicht bringt, wird eine Reaktion hervorgerufen. (Hä? Ionenwas? Junge, Junge, klingt das kompliziert. Einfach gesagt: Es ist der biochemische Vorgang, nach dem jede Zelle Sinneseindrücke verarbeitet.) Sobald ein Reiz eine Reaktion in einer unserer Zellen hervorruft, hat dieser uns bereits manipuliert. Denn andernfalls wäre keine Reaktion erfolgt. Er hat uns versteckt beeinflusst.

Wie wir andere manipulieren

Das passiert den ganzen Tag über. Andauernd. Auch wir beeinflussen unsere Umgebung ständig. Mit unserem Lächeln, unserem missmutigen Gesicht, mit dem zu schnell auf jemanden Zugehen, auch wenn wir jemandem zu nahe treten. All das ruft eben die Reaktion hervor, von der sich der Empfänger des Reizes den größten Nutzen verspricht.

Buchtipp

Stefan Verra
Hey, dein Körper spricht!: Worum es bei Körpersprache wirklich geht

Edel Germany, März 2015, 240 Seiten, 14,95 Euro

Jetzt kaufen

Körpersprache manipuliert also. Aber eines kann sie nicht: Sie kann niemals eine Reaktion bei uns selbst hervorrufen, die gänzlich unseren innersten Wünschen, Interessen und Werten widerspricht. Das heißt, die Auswirkung jeder Manipulation korreliert immer mit unseren inneren Werten.

So funktioniert beispielsweise Werbung nur bei denen, die von vornherein eine innere Neigung dazu haben, von eben dieser Werbung angesprochen zu werden. Meine Bekannte könnte täglich sechs Stunden Bierwerbung sehen und würde trotzdem nie zu einem Bier greifen. Wenn sie allerdings eine Zalando-Werbung sieht...

Bei vielen Männern ist das ähnlich. Sie schauen 90 Minuten Fußball und rennen in der Halbzeitpause zum Bierkasten - oder haben Sie schon mal einen Mann gesehen, der nach dem Spiel auf den Fußballplatz rennt? Neue Untersuchungen belegen zudem, dass die Angst vor Verrohung der Jugend durch Gewaltfilme, Ego-Shooter-Spiele und Pornos zunimmt. Das stimme nur zu einem geringen Teil, meinen die Autoren. Denn auch diese Form der Medien fruchtet eben nur bei jenen Jugendlichen, die ohnehin offen dafür sind.

Wir bestimmen die Richtung

Zugegeben, da hätte man auch ohne diese Studien darauf kommen können. Der Mensch ist ja kein Computer, der stets das tun, was das Programm ihm vorgibt, das er gerade geladen hat. Und wenn ihm das Programm nicht gefällt, dann lädt er einfach ein neues. Nein, unsere Persönlichkeit ist schon um einiges stabiler, als dass sie durch äußere Einflüsse versteckt oder offen so einfach in gewünschte Bahnen gelenkt werden könnte.

Fest steht, dass Sie durch das Lächeln eines anderen beeinflusst werden. Wie Sie darauf reagieren, hat aber sehr stark mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Sie können sich dazu denken: "Ah, wie nett! Diese Person scheint freundlich zu sein. Also lächle ich mal zurück." Oder aber: "Warum um alles in der Welt lächelt mich dieser Mensch an? Was will der von mir? Ich bleibe lieber mal auf der Hut."

Die Erkenntnis lautet also: Ja, mit Körpersprache manipulieren wir andere Menschen. Und werden von ihnen manipuliert. Immer. Wir werden aber nie in eine Richtung manipuliert, in die wir nicht ohnehin tendiert hätten.


Was mich noch interessiert: Wo haben Sie sich schon mal manipuliert gefühlt? Welche Körpersprache war der Auslöser? Schreiben Sie mir dazu eine E-Mail: info@stefanverra.com


Unser Gastkommentator Stefan Verraist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in Deutschland. Er ist Dozent und Autor zahlreicher Bücher. Verra ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH