Sonntag, 25. September 2016

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Kündigung "Aus persönlichen Gründen"

Gradliniger Abtritt von Ex-Karstadt-Chefin Sjöstedt : "Ich kann meinen Erfolgs-Weg nicht durchziehen, weil es an Unterstützung mangelt. Deswegen gehe ich!"

Wenn Top-Manager mit der Sprachreglung "aus persönlichen Gründen" ein Unternehmen verlassen, machen sie sich unnötig angreifbar. Eine Steilvorlage für ihre Widersacher. Auffällig oft begehen weibliche Führungskräfte diesen Fehler.

Wenn Top-Manager aus einem Unternehmen ausscheiden, dann werden dafür häufig "persönliche Gründe" genannt. Genau diese Formulierung aber wird als Flucht der Protagonisten gedeutet und als Freibrief für ihre Darstellung als "nicht durchsetzungsfähig", "deplatziert" und "zu wenig kompetent" missbraucht. Insbesondere bei Frauen, über deren Eignung für die Spitzenjobs in der Industrie derzeit heftig und kontrovers diskutiert wird, bedienen solche Gedanken ein dankbares Klischee.

Neun von 19 Frauen, die in den letzten Jahren in Dax-Vorstände eingezogen sind, sind schon wieder raus - häufig "aus persönlichen Gründen". Diese Sprachreglung wirkt auf den ersten Blick vor allem loyal, denn mit ihr nimmt die betroffene Managerin die Verantwortung für die Trennung auf sich. Ein feiner Zug, der sich im Hinblick auf die weitere Karriere der Manager oft überhaupt nicht auszahlt, im Gegenteil.

Denn dieser Versuch des geräuschlosen Abtritts erweist sich für die Scheidenden nicht selten als schlechter Deal. Er macht das Nachtreten leicht. Bisweilen können die Betroffenen die Überlegungen über die "wahren" Gründe ihres auf diese Weise verkündeten Abgangs nur Stunden später in den Medien lesen. So musste Angela Titzrath unter Berufung auf Unternehmensinsider über sich lesen, einige Divisionen des Post-Konzerns hätten sich ihr nicht unterordnen wollen, sie sei schlicht nicht akzeptiert worden. Bei Marion Schick heißt es, sie habe sich bei der Telekom schwer getan und auf die falschen Themen gesetzt. Regine Stachelhaus sei als E.On-Vorstand überfordert gewesen.

Ihre Unternehmen, denen sich Top-Manager bis zum letzten Tag loyal verbunden fühlen, nutzen falsch verstandene Fairness allzu oft zu eigenen Gunsten aus, um strategische Altlasten zu bereinigen und den Verlust der Führungskraft in ihrer Bedeutung für das Unternehmen zu relativieren. Die Quellen der schlechten Nachrede bleiben in der Regel unbekannt, den Schaden der misslungenen Kommunikation hat der oder die Gegangene. Ein nachträgliches Aufarbeiten oder die Versuche einer Objektivierung bleiben wirkungslos.

Wo also liegt die Lösung? Manager oder Managerinnen, die ein Unternehmen verlassen - ob in der Meinungsverschiedenheit, im handfesten Streit oder tatsächlich aus privaten Gründen - dürfen sich von CEOs, Aufsichtsräten oder vermeintlich wohlwollenden Kommunikationschefs nicht überreden lassen, "aus persönlichen Gründen" zu gehen. Erst recht, wenn sie damit versuchen wollen, mögliche inhaltliche Dispute mit dem Unternehmen zu verschweigen, begehen sie einen Kardinalfehler.

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