Donnerstag, 24. Mai 2018

Wie der Job wieder spannend wird Wege aus der Routinefalle

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Jeden Tag die gleichen Aufgaben, die gleichen Abläufe, die gleichen Anforderungen: Viele Menschen frustriert die Routine in ihrem Job. Ihnen fehlt die Herausforderung, sie erkennen keine persönliche Weiterentwicklung, die täglichen Wiederholungen ermüden. Welchen Ausweg gibt es aus der Routinefalle? Und woran erkennt man, wenn aus simplem Frust ein echtes Risiko wird?

"Es passiert oft, dass Mitarbeiter von ihrer Arbeit gelangweilt sind - obwohl sie eigentlich viel zu tun haben", sagt Corinn Schmidt, Personal- und Businesscoach aus Erfurt. "Einerseits müssen wir heute ständig erreichbar sein und jederzeit Antworten geben können, andererseits wiederholen sich immer die gleichen Themen." Also löst die lange To-Do-Liste Stress aus, während die inhaltliche Routine für Langeweile sorgt. Beides wirkt auf Dauer belastend.

Routineaufgaben bearbeitet der Körper auf energiesparende Art, damit im Ernstfall genug Ressourcen für neue Herausforderungen bereitstehen. "Deshalb versucht das Gehirn, Tätigkeiten, die wir häufig erledigen, in das sogenannte System 1 zu verlagern", erklärt Tom Diesbrock, Psychologe und Autor aus Hamburg. "Das arbeitet im Hintergrund und sehr energieeffizient. So wie das Autofahren in der Fahrschule noch extrem stressig war und wir es später ganz nebenbei erledigen können."

Lesen Sie auch: Gehaltsstudie - was die Deutschen verdienen

Das ist praktisch, hat im Joballtag aber einen Nachteil: Das automatisierte Arbeiten lastet das Gehirn nicht aus, es möchte sich nebenbei noch mit anderen Themen befassen - eine Folge davon sind Konzentrationsprobleme. "Erst wenn wir vor neue oder auch überraschende Aufgaben gestellt werden, schaltet sich das System 2 an, das bewusst und differenziert funktioniert", sagt Diesbrock. "Dann sind wir wach und erleben viel aufmerksamer, was wir tun."

Nur wenige Berufstätige begegnen im Alltag aber ständig neuen Herausforderungen, die das System 2 ansprechen. Nicht immer ist das ein Problem. "Wie sehr man unter der Routine leidet, hängt stark von der Persönlichkeit ab", sagt die Psychologin Olivia vor dem Brocke. "Es gibt Menschen, die sehr offen für neue Erfahrungen sind, sie reisen zum Beispiel privat ständig in neue Länder. Andere mögen Routine und fahren immer in den gleichen Ferienort." Wer Gewohnheiten schätzt, empfindet auch Wiederholungen im Job als angenehm.

Auch der abenteuerlustige Persönlichkeitstyp muss aber nicht unter der Routine leiden. "Jeder Mensch kann seine innere Haltung ändern und immer wieder positive Aspekte sehen", sagt Corinn Schmidt. Statt sich täglich zu ärgern, könne man sich fragen: Wieso ist diese Aufgabe sinnvoll? Wem helfe ich damit? Wie kann ich diese Tätigkeit sinnstiftend interpretieren?

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH