Montag, 27. Juni 2016

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Die besten Tipps internationaler Karrierefrauen "Bei der Navy habe ich gelernt, ein Kriegsschiff zu steuern"

Im Karriere-Interview: Corinne Vigreux (TomTom), Jie Jane Sun (Ctrip), Simonetta di Pippo (UNOOSA), Sigrid Bauschert, Xiao Xue (Elle), Anka Wittenberg (SAP), Muza Monams, Burcu Geris, Alison Rowe (von oben links nach unten rechts)
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Im Karriere-Interview: Corinne Vigreux (TomTom), Jie Jane Sun (Ctrip), Simonetta di Pippo (UNOOSA), Sigrid Bauschert, Xiao Xue (Elle), Anka Wittenberg (SAP), Muza Monams, Burcu Geris, Alison Rowe (von oben links nach unten rechts)

Was war der größte Fehler der Chefredakteurin der Elle China? Was denkt die Gründerin von TomTom über andere Frauen? Und wie baut man als UN-Direktorin für Weltraumfragen Stress ab? manager magazin hat internationale Führungsfrauen zum Karriere-Interview getroffen. Und erfahren, dass nach einer Ausbildung in der Royal Navy keine Vorstandsetage mehr schockt, Shanghai cooler ist als das Silicon Valley und Großeltern eigentlich überall unentbehrlich sind.

Die Gespräche fanden in den weichen Sesseln des Hotel Adlon in Berlin statt - hier trafen sich erfolgreiche Frauen aus der ganzen Welt zum Global Female Leaders Summit. In einer Serie stellen wir die nächsten Wochen die entscheidenden Momente der internationalen Karrierefrauen vor.

Alison Rowe,Fujitsu, Australien
Alison Rowe, 44 Jahre, Australierin und Global Executive Director Sustainability im Technologiekonzern Fujitsu, Multi-Aufsichtsrätin und mehrfach ausgezeichnete Führungskraft. Rowe ist Mutter eines Sohnes.

Wie wurden Sie, wer Sie heute sind?

Ich bin auf dem australischen Land groß geworden mit recht beschränkten Karrieremöglichkeiten - als Frau wurde man dort entweder Krankenschwester, Frisörin oder Lehrerin. Ich wollte was komplett anderes machen. So ging ich zum Militär, zur Royal Australian Navy. Dort habe ich fürs Leben gelernt - zum Beispiel mit 23 Jahren ein Kriegsschiff zu steuern mit einer Crew aus 186 Männern und 30 Frauen; ich lernte im Team zu arbeiten und gleichzeitig zu führen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ich habe dann das Militär verlassen und fing 1998 in der Tech-Branche an. 2004 habe ich meinen MBA gemacht und bin noch währenddessen in die Transport-Branche gewechselt. Hier kam ich in Kontakt mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Das war etwas komplett anderes, als ich die letzten 20 Jahre gemacht hatte - und ich war begeistert davon, Entscheidungen zu treffen, die eine nachhaltige Wirkung hatten. Seit acht Jahren bin ich nun bei Fujitsu und inzwischen die weltweite Leiterin für Nachhaltigkeit. Somit kombiniere ich jetzt meine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und mein Wissen aus der Tech-Branche.

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst?

Sehr entscheidend war eine Erkenntnis, die ich mir erst erlauben musste, die mich aber dann sehr befreit hat: Karriere und Erfolg für mich nicht über Hierarchie zu definieren und wie schnell man darin aufsteigt. Sondern über die Wirkung, die ich mit meiner Arbeit habe. Die Tech-Branche zu verlassen war ein großer Schritt, ich habe dadurch auch Gehaltseinbußen hingenommen - aber ich will etwas nachhaltiges bewirken, will gestalten. Das ist meine Definition von Erfolg. Das für mich gelten zu lassen und so anzuerkennen, war ein großer Schritt für mich. Ich hatte immer im Kopf, was mein Vater mir gesagt hatte: Nothing is off limits. Es gibt kein Nein für mich, wenn ich etwas will.

Was würden Sie rückblickend anders machen?

Ich wäre nicht so hart zu mir selbst. Ich habe mich schon früh mit anderen verglichen, unter Druck gesetzt. Alle meine Abschlüsse habe ich in Abendschulen und nebenberuflich gemacht - wohl über zehn Jahre hinweg. Das war hart. Ich wäre da heute entspannter. Und auch freier, was mein Urteil angeht über mich selbst.

Haben Sie viele weibliche Kollegen?

Im Tech-Bereich ehr weniger, im Sustainability-Bereich viele. Ich glaube dass das soziale, gute Image der Nachhaltigkeit Frauen anzieht. Hier könnten wir ehr ein paar mehr Männer gebrauchen - damit Nachhaltigkeit nicht zu einem weichen Frauenthema verkommt, sondern als harter Business-Case wahrgenommen wird.

Sind Frauen in Führung ein Thema in Australien?

In Australien gibt es viele Frauen auf der obersten Ebene - doch meistens im gemeinnützigen Bereich. Wir brauchen sie aber auch in den harten Industrien. Das zu ändern ist unsere große Herausforderung. Ich fand es sehr hilfreich, sich außerhalb seines regulären Jobs zu engagieren: Ich bin zum Beispiel Aufsichtsrätin in verschiedenen Start-ups im Sustainablility-Bereich. Mir hilft das, einen breiteren Blickwinkel auf meinen Thema zu bekommen, Kontakte zu knüpfen aber auch meine Definition von Erfolg vielschichtiger zusehen - und eben nicht nur über einen hierarchische Position in einer Firma. Frauen kann ich nur raten, sich vielfältig zu engagieren - ein Aufsichtsratsposten kann manchmal genau die Erfüllung, den Schwung und Spaß in den Beruf bringen, den der Hauptjob vielleicht nicht ganz erfüllt. Das Gesamtpaket macht den Erfolg aus.

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