Samstag, 22. September 2018

Interimsmanagement Erst Vorbehalte ausräumen, dann loslegen

Englands Fußballtrainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson hatte in der WM in Brasilien kein glückliches Händchen; sein Team schied bereits in der Vorrunde aus. Das klassische Vorgehen - der Verband wirft ihn hinaus und bis ein Nachfolger gefunden ist, trainiert ein Assistent die "Three Lions". Interimsmanagement eben

Interimsmanager kommen vertretungsweise in ein Unternehmen - und wecken deswegen Argwohn. Worauf Unternehmen sich einstellen müssen, erläutert der Interimsmanager Falk Janotta.

mm: Interimsmanagement - wie kommt es zu dem eher durchwachsenen Ruf?

Janotta: Nach meiner Erfahrung sind für viele Entscheider in den Unternehmen Interimsmanager das Gleiche wie Berater. Berater haben mittlerweile in der Tat einen durchwachsenen Ruf, was viele Gründe hat. Es ist wichtig, die wesentlichen Unterschiede zu betonen, weil sie den besonderen Wert des Einsatzes eines Interimsmanagers für das Unternehmen verdeutlicht: der Interimsmanager setzt das operativ um, was er konzipiert, plant und entscheidet. Außerdem ist er nicht daran interessiert, weitere Berater ins Unternehmen zu holen oder weitere Personentage zu verkaufen. Er interessiert sich in der Regel nur dafür, das Problem des Kunden zu lösen, die Aufgabe im Sinne des Unternehmens umzusetzen. Er kommt, um zu gehen. Das ist echter Mehrwert.

mm: Was ist die erste Hausaufgabe des Interimsmanagers - und was die Hausaufgabe des Unternehmens, das ruft?

Janotta: Der Interimsmanager muss so schnell wie möglich in der Lage sein, operative Verantwortung zu übernehmen und sein Tagesgeschäft fokussiert und produktiv zu übernehmen. Innerhalb von einer, maximal zwei Wochen muss die Einarbeitung abgeschlossen sein. Aus meiner Überzeugung erreicht er das durch 80 Prozent Kommunikation mit Management, Fachbereichsvertretern aller Ebenen und mit dem eigenen Team, zu 20 Prozent aus dem Aneignen von aufgabenspezifischen Schlüsselinformationen.

mm: Und der Kunde?

Janotta: Die wichtigste Hausaufgabe des Kunden ist es, dafür zu sorgen, dass der Interimsmanager einen reibungslosen Einstieg ohne administrative Hürden bekommt. Das heißt, dass er und seine Aufgaben schon vorgestellt werden, bevor er ins Unternehmen kommt und dass sein Arbeitsplatz voll ausgestattet ist, so dass keine Zeit für die Organisation dieser Dinge verloren geht. Idealerweise sind bereits erste Gesprächstermine für die ersten Tage im Unternehmen vereinbart.

Eine wichtige gemeinsame Hausaufgabe ist noch zu erledigen: die genaue Definition der Aufgaben und Kompetenzen des Interimsmanagers und ihre Kommunikation ins Unternehmen.

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