Mittwoch, 20. September 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Die überforderte und überschätzte Generation Y Gute Nacht, Millennials!

Willie B. Thomas / Getty Images

Die Generation Y ist verloren. Sie ist überfordert, gierig und überschätzt sich selbst. Es ist Zeit, dass wir umdenken und endlich von den Älteren lernen. Dies ist ein offener Brief an alle Millennials, Gen Y, End-Zwanziger bis Mitt-Dreißiger. An all die Leute, die sich für ihr durchschnittliches Studium und ihre sechs Monate USA-Praktikum feiern.

Liebe Millennials,

was ist nur mit euch los? Eigentlich müsste es heißen: Was ist nur mit uns los? Aber zu euch möchte ich, selbst 1987 geboren, mich auf keinen Fall zählen. Nicht, weil ich besser bin, sondern weil in mir genug Feuer brennt, um gerade so an eurem Wertesystem vorbei zu schlittern.

Ihr seid zwischen 1980 und 1990 geboren. Ihr seid jung, bestens ausgebildet und meistens sehr überzeugt von euren Fähigkeiten. Ihr habt studiert, die Welt bereist und den ersten Job in München, Hamburg oder Berlin angenommen. Es durfte auf keinen Fall eine kleinere Stadt sein - das wäre eine Art von Niederlage.

Eure Vita ist schon dann eckig, wenn ihr euer Studenten-Sabbatical in Südamerika verbracht habt. Das Studium war ja auch so hart und anspruchsvoll.

Ihr wisst, dass ihr viel könnt. Beweisen müsst ihr es aber nicht, denn wer euch nicht mit offenen Händen empfängt ist gegen euch und sowieso ignorant. Die Generationen vor euch? Alles Langweiler, Systemangepasste und Leistungsverweigerer. Nur ihr wisst, wie die Welt funktioniert.

Warum ihr seid wie ihr seid

Zugegeben, das war etwas sehr spitz. Dennoch hat man es mit euch meist nicht leicht. Ich erinnere mich noch daran, wie Mitte der 2000er der Hype um die Generation Y aufkam. Auf einmal musste jedes Büro kostenlose Getränke, Kickertische und Bio-Obst anbieten. Glücklich wart ihr damit zwar immer noch nicht, aber das würde schon irgendwann kommen.

Jakob Osman
  • Copyright: Anja Nier/Agentur Junges Herz
    Anja Nier/Agentur Junges Herz
    Jakob Osman, geboren 1987, ist Experte für Employer Branding. Seine Agentur Junges Herz berät Kunden aus allen Branchen im Bereich Personal- und Ausbildungsmarketing.

Perfektioniert wurde alles aber erst durch den Hype um die Start-up-Szene. Wer heutzutage noch länger als zwei Jahre bei einem Arbeitgeber bleibt, ist entweder unfähig oder dumm. Bloß keine Bindung eingehen - immer schön flexibel bleiben.

Doch warum ist das eigentlich so? Warum seid ihr so? Gehen wir zurück in eure Kindheit: Eure Eltern, die euch sicherlich über alles lieben, haben alles für euch gemacht. Leider ging diese Liebe etwas zu weit. Erinnert ihr euch noch an den Schulsport? Da hat auf einmal jeder eine Medaille bekommen.

Du bist Letzter mit ungefähr vier Minuten Rückstand auf der 100-Meter-Strecke? Hier, deine Medaille. Du hast nicht im Fußballteam deiner Klasse gespielt? Ach, jeder bekommt eine Urkunde.

Erinnert ihr euch an den Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium? Auf einmal waren eure Eltern so aktiv. Sie haben mit euren Lehrern gesprochen, wenn ihr eine Vier geschrieben habt. Dass ihr nicht gelernt hattet, war egal - eure Eltern regelten das.

Das Prinzip Klagen und Meckern

Und erinnert ihr euch an den Übergang vom Abi zum Studium? Ach, den Übergang gab es gar nicht? Richtig, ihr habt erst einmal Work and Travel gemacht. Natürlich nicht in Australien. Ihr wart in Kambodscha, Litauen oder auf den Osterinseln.

Was habt ihr in all den Jahren gelernt? Dass Mut, Fleiß und Arbeit sich lohnen? Wohl kaum. Ihr habt gelernt, dass ihr nur genug schreien, klagen und fordern müsst. Dann klappt das schon. Das, was dann passiert, dafür könnt ihr nichts. Es spielte euch aber so sehr in die Karten, dass ihr es als eure Leistung verbucht: Der Personalmangel schlägt bei vielen Firmen knallhart zu. Ihr seid auf einmal überall gefragt, obwohl ihr bisher absolut nichts Produktives beigetragen habt.

Auf einmal stehen da diese Kickertische, der vegane Joghurtshake am Morgen ist kostenlos und das Bio-Obst wurde durch kostenlose Yoga-Kurse ergänzt. Ihr habt eure perfekte Wohlfühl-Oase. Glücklich seid ihr trotzdem immer noch nicht. Was zur Hölle fehlt denn nur?

Denn in der realen Arbeitswelt merkt ihr, dass Meckern und Klagen eben kein Erfolg hat. Ihr merkt, dass eure Chefs auf einmal Leistung erwarten. Dachtet ihr ernsthaft, sie geben euch all das, weil ihr euch dann weiter beschweren könnt? Dachtet ihr, dass es weiterlaufen wird wie in der Schule oder im Studium?

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH