Montag, 10. Dezember 2018

London geißelt Ausreden So "erbärmlich" reden sich CEOs bei der Frauenquote raus

Britische Frau in Führungsposition (Symbolbild)

In Deutschland gibt es sie seit 2015, in Großbritannien müssen sich große Unternehmen bis 2020 mit einer Frauenquote für ihre Aufsichtsräte arrangieren. 33 Prozent der Board-Sitze sollen bei im FTSE 350 gelisteten Firmen bis dahin mit Frauen besetzt sein. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission, die Hampton-Alexander Review, überprüft regelmäßig die Fortschritte - und hat nun eine "schockierende" Liste veröffentlicht.

Zwar gebe es mittlerweile weit weniger Unternehmen mit rein männlich besetzten Boards als noch vor wenigen Jahren, hält das Team um GSK-Chairman Sir Philip Hampton fest; trotzdem "weigern sich viele noch immer, mit der Zeit zu gehen". Ihre "schlimmsten Erklärungen", weshalb Frauen keinen Platz im Board fänden, hat die Review nun veröffentlicht. Besonders pikant: Die anonymen Zitate stammen sämtlich von FTSE-350-Aufsichtsratsvorsitzenden und -CEOs.

"I don't think women fit comfortably into the board environment."

Der anonym befragte Top-Manager formuliert vage: Frauen passten nicht so problemlos in die Board-Landschaft - ob die Probleme dabei auf weiblicher oder aber auf etabliert-männlicher Seite entstehen, bleibt er schuldig.

"There aren't that many women with the right credentials and depth of experience to sit on the board - the issues covered are extremely complex."

"Extrem komplexe" Themen erfordern "die richtigen Referenzen und tiefgehende Erfahrungen", meint dieser Herr - es gebe kaum Frauen, die das mitbrächten.

"Most women don't want the hassle or pressure of sitting on a board."

"Hassle" kann man mit "Scherereien" übersetzen. Sprich: "Das willst du dir doch nicht antun, Schätzchen."

"Shareholders just aren't interested in the make-up of the board, so why should we be?"

Dieser Herr macht sich zum Anwalt seiner Aktionäre. Die interessierten sich nicht für das Geschlecht der Aufsichtsräte - "warum sollte uns das also interessieren?"

"My other board colleagues wouldn't want to appoint a woman on our board."

Wie schrieb Sartre in der "Geschlossenen Gesellschaft"? "Die Hölle, das sind die anderen."

"All the 'good' women have already been snapped up."

Alle "guten" Frauen seien schon weg - dieser Herr definiert das Fehlen von weiblichen Board-Mitgliedern als Angebots- und nicht als Nachfrageproblem.

"We have one woman already on the board, so we are done - it is someone else's turn."

Die anderen, Teil Zwei: Wir haben eine Frau, jetzt sind erst einmal unsere Konkurrenten dran.

"We need to build the pipeline from the bottom - there just aren't enough senior women in this sector."

Dieser Befragte zeichnet das Fehlen weiblicher Führungskräfte als Branchenproblem, das man "von Grund auf" angehen müsse.

"I can't just appoint a woman because I want to."

"Ich kann doch nicht einfach jemanden einstellen, nur weil ich es will!" Offen bleibt: Will er denn überhaupt?

Andrew Griffiths, im Londoner Wirtschaftsministerium zuständig für kleine und mittlere Unternehmen, Verbraucherfragen und gute Unternehmensführung, bezeichnete die Zitate in einer Mitteilung als "erbärmlich und herablassend": "Unsere erfolgreichsten Unternehmen sind solche, die für Vielfalt eintreten."

luk

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