Mittwoch, 24. Januar 2018

Top-Frauen und ihre Erfolgsgeschichten Wer sich zweimal bitten lässt, hat schon verloren

Frauen und Technik? Und ob. Kerstin Günther ist als Leiterin Technik bei der Telekom zuständig für Europa und berichtet an eine Frau - Telekom-Vorstand Claudia Nemat.
Deutsche Telekom
Frauen und Technik? Und ob. Kerstin Günther ist als Leiterin Technik bei der Telekom zuständig für Europa und berichtet an eine Frau - Telekom-Vorstand Claudia Nemat.

Top-Frauen und ihre Erfolgsgeschichten: Erfolgreiche Managerinnen zeichnen für manager magazin online ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Kerstin Günther.

Ich mag keine Klischees. Frauen sind so und Männer so, diese Muster werden beim Thema Karriere von Frauen gerne bedient. Worum es aber beim Thema Karriere sowohl für Männer als auch für Frauen geht, ist das was Gunter Dueck, Ex-IBM Manager, einmal als "Professionelle Intelligenz" beschrieben hat. Wer Karriere machen will, der muss gut sein, aber er muss sich auch vermarkten und positionieren können. Das wird zunehmend wichtiger für beide Geschlechter.

Was ich in der Zwischenzeit gelernt habe: Erfolg ist keine objektive Kategorie. Erfolg, besonders in Unternehmen, unterliegt der Wahrnehmung. Das Ergebnis muss von anderen gesehen und als solches wahrgenommen werden. Erst dann ist es relevant für die eigene Kariere. Erfolge zu kommunizieren und auch Anerkennung einzufordern ist wichtig. Daran scheitern Männer genauso wie Frauen.

Ich habe schon sehr früh in meinem Leben gelernt, dass man auch fordern muss. Nach meiner Anstellung als Consultant bei der Detecon, der Inhouse-Beratung der Deutschen Telekom, sollte ich mich nach dem Studium erst einmal "einarbeiten". Ich fand das damals nicht sehr ausfüllend und habe deshalb meinen Chef gefragt, ob ich nicht ein eigenes Projekt übernehmen könnte.

Ohne Netzwerkpflege geht es nicht - Netzwerkpflege kostet Zeit

So bekam ich mein erstes eigenes Teilprojekt. Ich habe bei der Angebotserstellung der Deutschen Bundespost für die Mobilfunktlizenz in der Ukraine den Technikbereich verantwortet. Nach der Arbeit an zwei weiteren Angebotserstellungen bekam ich eines Tages einen Anruf, ob ich die Leitung des Gesamtprojektes für den Kauf der ungarischen Telekom übernehmen möchte. Ich fragte, ob ich meinen Lebenslauf schicken solle. Die Antwort war nein, ich sei genügend bekannt, und man traue mir das auch ohne Interview zu. So landete ich für die nächsten zehn Jahre in Ungarn.

Ohne Netzwerk geht es nicht, wobei es um Netzwerk geht, nicht um Seilschaft. Manager wählen oft die Personen aus, die sie kennen oder die von Vertrauten empfohlen wurde. Man muss also bekannt und sein Netzwerk pflegen. So werden aus Gelegenheiten Karriereschritte.

Netzwerke zu pflegen kostet Zeit und hier haben Frauen oft den Nachteil, dass sie eigentlich immer zwischen Familie und Beruf wählen müssen. Aber Netzwerke entstehen nicht nur nachts an der Bar oder beim Wochenend-Trip.

Netzwerke sind Geben und Nehmen. Am Ende habe ich meinen jetzigen Job zum großen Teil meinem Netzwerk zu verdanken. Jemanden, dem ich vorher mal geholfen habe, hat mich meiner jetzigen Chefin Claudia Nemat, Vorstand Europa und Technik bei der Deutschen Telekom AG, empfohlen. Netzwerke vital zu halten, ist genauso wichtig wie Ergebnisse zu erzielen. Oft muss ich mich selbst immer wieder daran erinnern.

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