Mittwoch, 24. Januar 2018

Top-Frauen und ihre Erfolgsgeschichten Gehe über Los!

Heidi Stopper war Führungskraft bei Airbus, bis Ende September Personalvorstand bei ProSiebenSat.1 und ist jetzt selbständiger Coach

Zwölf Top-Frauen, ein Dutzend Geschichten: Zwölf erfolgreiche Managerinnen zeichnen für manager magazin online ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Heidi Stopper.

Tun was einem liegt, öfter mal von Senden auf Empfangen umstellen und sich selbst als Mensch nicht verlieren - so sehe ich, Heidi Stopper, 45 und bis vor wenigen Wochen Personalvorstand bei der ProSiebenSat.1 Media AG Börsen-Chart zeigen, die essentiellen Beigaben für eine gute Karriere.

Vorbilder gab es nicht. Es war die klassische Rollenverteilung, in der ich aufgewachsen bin, damals in Ravensburg. Vater selbständig, Mutter kümmert sich um das Büro. Und doch war es meine Mutter, die mich zu freiem Denken und großer Eigenständigkeit angehalten hat.

Vielleicht ist meine Karriere deshalb auch nicht linear verlaufen. Ich habe mich immer gefragt: Was liegt mir? Welche Arbeitsbedingungen brauche ich?

Heute weiß ich: Ich brauche viel Freiraum, großen Gestaltungsspielraum, sympathische Menschen um mich herum, eine vielfältige, fordernde Aufgabe und - so sage ich immer - "viel PS".

Aus Situationen, die nicht zu mir passten, bin ich deshalb immer wieder ausgebrochen. Angefangen hat es im Referendariat beim Arbeitsgericht nach dem Jura-Examen. Pro Woche drei Tage Aktenstudium, ein Sitzungstag, das ganze mit dem Ziel, die streitenden Parteien zu einem Vergleich zu überreden - das hatte mit Gerechtigkeit oft nichts zu tun. Ich fühlte mich, als wäre ich beim Monopoly-Spielen auf dem falschen Feld gelandet: Gehe nicht über Los, rücke sofort ins Gefängnis ein.

Nicht immer nur senden - auch mal auf Empfangen umstellen

Als ich stattdessen bei Dornier in Friedrichshafen in der Personalabteilung anfangen konnte, war das ein Befreiungsschlag. Da Dornier zum Dasa-Konzern (heute EADS) gehörte, hatte ich dort die Gelegenheit, mich in verschiedenen Jobs weiterzuentwickeln, so war ich etwa mehrere Jahre bei der Raumfahrttochter Astrium. In meinen letzten vier Jahren bei EADS habe ich mit Mann und Sohn in Toulouse gelebt.

Bei EADS habe ich viel darüber gelernt, wie man verschiedenste Stakeholder intelligent managet, wie man Entscheidern, die meist nicht so nah am Thema sind, einen komplizierten Sachverhalt anschaulich erklärt, wie man Interesse weckt, dabei die eigenen Punkte platziert und dennoch antizipiert, wie das Gegenüber reagieren könnte.

Zuhören, ohne zu erwidern. Nicht immer Senden, sondern öfter mal auf Empfangen stellen. Das ist essentiell für eine gute Karriere. Und daran muss man hart arbeiten.

Sich in die Position des anderen versetzen - das hilft auch bei Rückschlägen. Einmal bezog ich für eine neue Position ein Büro, und mein Vorgänger hatte nicht nur alle Büromöbel mitgenommen, sondern auch alle Steckdosen und Computer-Buchsen abgeklemmt. Es war klar: Ich war nicht willkommen.

Zurück nach Deutschland

Aber wenn man Abstand zu einer solchen Situation gewinnt, wenn man begreift, wie der andere sich fühlt, dann ist das nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern lässt auch beiden Seiten ihre Würde. Genau das ist für mich in der Personalarbeit entscheidend. Denn natürlich gehört es dazu, auch einmal unangenehme Botschaften zu überbringen.

Tatsächlich ist das Thema Human Resources (HR) in meinen Augen eines der herausforderndsten Felder im Unternehmen. Ich persönlich finde Personalarbeit wunderbar. Man muss nicht nur alle Bereiche des Unternehmensgeschäfts verstehen, einschließlich der Finanzen - gleichzeitig nimmt die menschliche Seite einen unglaublichen Stellenwert ein. Die Interaktion, die Psychologie, die Chemie. Ich lasse mich gerne von Menschen einnehmen - ihrer Wärme, ihrer Intelligenz, ihrem Humor. Daraus ziehe ich Energie.

Aber es gab auch schwere Rückschläge, gerade im privaten Bereich. Nach einem Todesfall in der Familie habe ich mir die Frage gestellt, was ich eigentlich will im Leben. Da fiel die Entscheidung, nach Deutschland zurückzugehen und eine neue Aufgabe wahrzunehmen: bei ProSiebenSat.1, zuerst als Executive Vice President für HR, inzwischen als Personalvorstand.

Meine Familie hat alles mitgetragen, die Umzüge, die Schulwechsel, den Verlust von privaten und geschäftlichen Kontakten. Gleichzeitig hat sie auch davon profitiert, denn wir alle haben aus unserer Zeit im Ausland sehr viel mitgenommen. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass die wirklichen Freunde bleiben, egal wie viele Kilometer zwischen uns liegen.

Natürlich musste ich manchmal viel organisieren, wenn der Kindergarten zu früh geschlossen hat oder das Fußballturnier mittags stattfand. Aber das gehört eben dazu. Ich bin ein Familienmensch und habe mein Leben neben dem Job nie aufgegeben. Ich buche einmal im Jahr einen Mutter-Sohn-Urlaub, bin oft bei meinem Bruder und meiner Mutter, spiele Klavier und mache Yoga. Als dieser ganze Mensch komme ich jeden Tag in die Firma.

Meine Empfehlung ist deshalb auch, sich morgens selbst die Frage zu stellen, ob man gerne dafür aufsteht. Denn wer nicht an drei von fünf Tagen mit Leidenschaft zur Arbeit geht, sollte etwas anderes machen. Das Leben ist zu kurz.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH