Montag, 23. Juli 2018

Top-Frauen und ihre Erfolgsgeschichten Verkrampft sind sie beide - Männer und Frauen

Angela Hornberg, Volkswirtin, Italienerin, war Investmentbankerin in Frankfurt am Main, Berlin und London. Seit 2002 ist sie Personalberaterin auf den Topetagen der europäischen Wirtschaft.

Zwölf Top-Frauen, ein Dutzend Geschichten: Zwölf erfolgreiche Managerinnen zeichnen für manager magazin online ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Angela Hornberg.

Zugegeben, manchmal nerven mich die Männer. Gerade weil ich sie liebe. Und manchmal nerven mich die Frauen. Gerade weil ich gern eine Frau bin. Ich habe Freude an Lippenstift, an hohen Absätzen, an schönen Kleidern. Und ich genieße Macht und Erfolg. Das ist nicht ungewöhnlich: Ich bin eine italienische Frau. Und Italienerinnen lieben Bellezza und Grandezza, aber auch beruflichen Erfolg und Selbstbestimmung. Das gilt sicher auch für Französinnen, Spanierinnen, Engländerinnen und - wer weiß?! - insgeheim wohl auch für die deutschen Frauen.

Überall auf der Welt genießen es Frauen, wenn Männer uns Blumensträuße überreichen, zum Essen einladen, in den Mantel helfen und die Tür aufhalten. Und die Männer genießen es, all das zu tun. Doch hierzulande klingen die Diskussionen, als ob ein unterschwelliger Geschlechter-Kampf die Begegnung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt nahezu unmöglich macht.

Ja, es nervt: Statt sich nach der Arbeit herauszuputzen und uns in eine Cocktailbar einzuladen, streifen die Herren die (meist ohnehin lieblos gebundene) Krawatte ab und trinken in einsamer Männerrunde ein Feierabendbier.

Und die Damen schleichen in flachen Tretern durch die Kellergewölbe der Macht und weinen sich in Frauennetzwerken ihr Elend vor, statt mit hohen Absätzen entschlossen auf- und vor allem einzutreten: für eine angemessene Wertschätzung ihrer Klugheit und Schönheit, ihrer strategischen Weitsicht und ihrer taktischen Raffinesse, ihrer Entschlossenheit und Durchsetzungskraft, ihrer Disziplin und Kraft.

Nicht kämpfen wollen? Das ist dämlich!

Kämpfen mit Charme, mit Humor, mit Beharrlichkeit? "Nein, kämpfen kann und will ich nicht", höre ich ständig. Das ist dämlich, im wahrsten Sinne des Wortes!

Im Gegenzug soll einer der mächtigsten deutschen Manager zur Frauenquote gesagt haben, Aufsichtsräte seien "keine Kaffeekränzchen". Stimmt, aber sie sind auch kein bierseliger Skatabend. In dem obersten Kontrollgremium von Kapitalgesellschaften geht es um sehr nüchterne Dinge: um Bilanzen und Abschlüsse, um Strategien und Positionen. Hier muss der Vorstand eines Unternehmens sein Vorgehen mit den Interessen von Anteilseignern und Arbeitnehmern abgleichen.

Hier wird ernst und hart verhandelt, manchmal sogar erbittert gestritten. Gelegentlich dringen die Konflikte an die Öffentlichkeit. Dann ahnt man, welche Machtkämpfe sonst hinter verschlossenen Türen ausgefochten werden.

Männer kehren geläutert ins entspannte Büroleben zurück

Eine wie ich verhandelt gern, widerspricht, kann streiten und kann schweigen. "Die ist so männlich", heißt es dann. Dabei muss selbst das "Heimchen am Herd" tagtäglich einen verdammten Kampf durchstehen. Das wissen immer mehr Männer, seit sie sich in Elternzeit zumindest für kurze Zeit in den banalen Wahnsinn zwischen Wäsche, Windeln und Wachsmalstiften begeben. Sie kehren geläutert ins entspannte Büroleben zurück, wo der Satz "bitte nicht stören" von jedem verstanden und akzeptiert wird.

Statt dass sich Männer und Frauen beruflich und menschlich miteinander und spannungsvoll auf neue Ideen bringen, erstickt ein nach Geschlechtern sortiertes Weltbild alle Kreativität: Frauen wollen nicht, Frauen können nicht, heißt es, weswegen Frauen nicht dürfen.

Männer wollen angeblich immer, Männer brauchen, Männer müssen - wenn's sein muss, sterben sie sogar fürs Vaterland. Das Nervigste an solchem Unsinn ist, dass er nicht nur die Frauen unglücklich macht, sondern auch die Männer einfältig. Die Bordell-Skandale aus den Chefetagen von Volkswagen und Ergo waren nur scheinbar die Spitze eines ganz normalen Eisberg. Nein, in Wirklichkeit waren sie der Bodensatz einer trüben Monokultur-Brühe, in der nur Selbstgefälligkeit und Ignoranz gedeihen können. Solche Dekadenz gefällt den allerwenigsten, nicht Frauen, nicht Männern.

Die berühmte gläserne Decke besteht nicht aus Bierdeckeln und Kondomen, sondern aus Angst und Verletzlichkeit: Die Boys trauen sich nicht die Girls zum Tanz aufzufordern, und die Damen wagen nicht, mal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Wenn wir alle diese Art von Schüchternheit verlören, könnten wir viel voneinander lernen und noch mehr miteinander auf die Beine stellen!

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