Dienstag, 30. August 2016

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BCG-Studie Wie Frauen die Wirtschaft ankurbelten - wenn man sie ließe

Frauen und Führung: Babypause als Karrierekiller
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Grafik: The Boston Consulting Group

197 Milliarden Euro zusätzlicher Wertschöpfung, eine um ein Drittel verkleinerte Arbeitskräftelücke - die deutsche Wirtschaft könnte immens profitieren, würde sie Frauen effektiver fördern. Das belegt eine Studie der Boston Consulting Group, die manager magazin exklusiv vorliegt.

Schon heute sind Frauen erfolgreich in die Herrenclubs der Businesswelt vorgedrungen - im aktuellen Heft feiert manager magazin die "50 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft" (seit 18. Dezember am Kiosk). Frauen arbeiten in Dax-Vorständen, sind als Aufsichtsrätinnen gefragt, gründen florierende Unternehmen und besetzen hochrangige Posten in bedeutenden wirtschaftsnahen Institutionen - und doch bleiben weibliche Karrieren in den Zirkeln der Konzernwelt bislang eine Seltenheit.

Immer noch kommen zu viele Frauenkarrieren im Mittelmanagement ins Stocken. Wie sich das ändern ließe, hat ein Beraterteam der Boston Consulting Group unter Leitung von Partnerin Rocio Lorenzo analysiert. Die positive Botschaft: "Unternehmen könnten ihre weiblichen Talente öfter an die Spitze führen - wenn sie konsequent an einer frauenfreundlichen Kultur arbeiten", so Lorenzo.

Eine gezielte Mobilisierung der Frauen würde das Wirtschaftswachstum entscheidend ankurbeln, zeigt das von BCG errechnete Szenario: Auf bis zu 197 Milliarden Euro oder acht Prozent zusätzlicher Bruttowertschöpfung schätzen die Berater den Effekt. Ein Drittel der in naher Zukunft zu erwartenden Arbeitskräftelücke könnte so geschlossen werden.

Frauen ohne Kinder schaffen es dreimal häufiger nach oben

Die Analyse belegt, dass - obwohl Jahr für Jahr immer mehr Frauen Hochschulabschlüsse erwerben - die Präsenz der Frauen in Leitungsjobs in den vergangenen 20 Jahren nahezu stagniert. Lag der Anteil der weiblichen Entscheider in Spitzenämtern der Privatwirtschaft 2006 bei eins zu Hundert, ist er 2014 auf gerade mal fünf Prozent angewachsen. Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst halten Frauen 18 Prozent der Toppositionen.

Zum einen vergeben die Unternehmen nach zahlreichen Verschlankungsrunden weniger Führungsjobs - zum anderen setzen sich im Karrieregerangel die Männer überproportional stark durch, und zwar selbst in traditionell als weiblich geltenden Branchen wie der Gesundheitswirtschaft.

Ein wesentlicher Grund: Mit ihrer ausgeprägten Neigung zur Teilzeit werfen sich die Frauen selbst aus dem Rennen. Ausgerechnet in der karriererelevantesten Phase - zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr - reduziert fast jede zweite Frau mit guter bis sehr guter Ausbildung ihre Tätigkeit zugunsten der Familie drastisch - und verharrt dann den Rest ihres Berufslebens in der Schmalspur-Berufstätigkeit. Einmal Babypause, immer Babypause. Frauen ohne Kinder schaffen es in Deutschland denn auch dreimal häufiger in Führungspositionen als Mütter.

Das zweite große Hindernis für den Aufstieg der Frauen ist laut BCG der mangelnde Wille vieler Unternehmen, ihre Kultur zu verändern. Das Paradoxe: In Befragungen bezeichnen fast 60 Prozent der Entscheider männlich geprägte Normen, Werte und Netzwerke in ihrer Firma als entscheidende Hürde für die Frauen. Doch nicht mal halb so viele Unternehmen, die an Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils arbeiten, wollen das schwierige Thema Kulturwandel konkret in Angriff nehmen.

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