Mittwoch, 20. Juni 2018

BCG-Studie Wie Frauen die Wirtschaft ankurbelten - wenn man sie ließe

Frauen und Führung: Babypause als Karrierekiller
Fotos
Grafik: The Boston Consulting Group

2. Teil: Gleichstellung der Frauen bleibt ein Stiefkind der Unternehmenspraxis

Ohnehin bleibt die Gleichstellung der Frauen - neudeutsch Gender Diversity - ein Stiefkind der Unternehmenspraxis. Jede dritte Firma stellt die Frauenförderung öffentlich weiterhin als "weiches Thema" dar, ohne Bezug zur Geschäftsentwicklung. Und "nicht einmal jedes fünfte Dax-Unternehmen baut visible Gender-Ziele in die Unternehmensstrategie ein", so Lorenzo. Dabei läge genau hier der entscheidende Hebel: "Es reicht nicht, die Mannschaft zu sensibilisieren und Arbeitszeitmodelle zu flexibilisieren. Die Unternehmen müssen ihren Leuten klarmachen, dass Gender Diversity einen Wertschöpfungsbeitrag leistet. Dazu gehört, Ziele festzulegen und Fortschritte kontinuierlich zu messen."

Immerhin: Etliche deutsche Unternehmen befinden sich mit vielversprechenden Aktivitäten auf dem richtigen Weg. Continental Börsen-Chart zeigen bringt erfahrene weibliche Führungskräfte unter dem Motto "Meet the Manager" gezielt mit Nachwuchskräften zusammen; Metro Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen garantieren Alleinerziehenden Krippenplätze; IBM Börsen-Chart zeigen steuert alle Diversity-Aktivitäten über "Women Leadership Councils"; die Otto Group hat ein regelrechtes Diversity-Controlling eingeführt, bis runter zur letzten Managementebene.

Als internationales Beispiel gelungener Diversity kann Facebook Börsen-Chart zeigen gelten. "Erst mit Sheryl Sandbergs Eintritt ins Topmanagement entwickelte Facebook seine heutige Marktdominanz", erläutert Rocio Lorenzo. "Ihr Hands-on-Managementstil vervollständigt Zuckerbergs Erfindergeist."

Eine nachhaltige Aktivierung der Frauen hätte wesentliche ökonomische Effekte, meint BCG. Die Beratung identifiziert vier Hebel, die zusammengenommen die deutsche Bruttowertschöpfung um 197 Milliarden Euro steigern und die Arbeitskräftelücke um bis zu ein Drittel verkleinern könnten:

  • Steigerung der weiblichen Erwerbstätigenquote von 69,1 auf 75,1 Prozent, die (Wieder-)Einsteigerinnen arbeiten 20 Wochenstunden
  • Anhebung der Wochenarbeitszeit bereits in Teilzeit arbeitender Frauen von derzeit 19 Stunden auf 25 Stunden - soviel arbeiten die Schwedinnen, vom Arbeitsumfang her die Top-Performerinnen in der EU
  • Verschiebung von 165.000 Frauen in produktivere Branchen
  • Vergabe von höherwertigen Jobs an 500.000 Frauen, die für ihre derzeitigen Positionen überqualifiziert sind

90.000 Frauen in Führungspositionen zusätzlich wären nötig, um hier zu Lande die Quote weiblicher Führungskräfte wenigstens auf EU-Durchschnitt zu hieven. Allein diese Zahl zeigt: In Sachen Frauenförderung bleibt in Deutschland noch viel zu tun.

Die ganze Geschichte

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