Sonntag, 18. Februar 2018

Nach schweren Vorwürfen von Mitarbeitern Ergo stellt Vertriebsvorstand frei

Ergo: großes Unternehmen, große Probleme.

Seit zweieinhalb Jahren saniert Markus Rieß, früher Chef der deutschen Allianz, den Düsseldorfer Ergo-Konzern. Es ist der größte Schadenfall der deutschen Versicherungsindustrie, und der Ton ist oft noch so rau wie früher, als die Ergo Drückerkolonnen auf Kundenfang schickte.

Stephan Schinnenburg.
Pecunia/youtube
Stephan Schinnenburg.

Der für die Betreuung der Makler zuständige Vertriebsvorstand Stephan Schinnenburg (57) soll seine Direktoren aufgefordert haben, ihm Kollegen zu nennen, die sich entweder negativ über die Vertriebsziele geäußert hätten oder als unterdurchschnittlich erfolgreich aufgefallen seien. Die Genannten wollte Schinnenburg dann sinnbildlich an den Türrahmen nageln und dort so lange hängen lassen, bis sie stänken. Über diese Androhung einer verschärften Form des Prangers liegen manager magazin eidesstattliche Versicherungen vor.

Schinnenburg, so geht es aus Unterlagen arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen hervor, knöpfte sich auch einzelne Mitarbeiter vor. Bei einem dieser Gespräche drohte er angeblich, "keine Gefangenen zu machen" und "jeden zu erschießen", den er dabei erwische, Ziele infrage zu stellen. Obwohl solche Ausfälle gegen den Verhaltenskodex der Ergo verstoßen, wurde Schinnenburgs Vertrag 2016 um fünf Jahre verlängert.

Schinnenburg äußerte sich nicht dazu. Der Konzern, eine Tochter der Münchener Rück, will erst durch die Anfrage des manager magazins Kenntnis von den Vorgängen bekommen haben und nimmt wie folgt Stellung: "Wir haben umgehend eine Prüfung des Sachverhalts eingeleitet. Sollte sich dieser in der vorgetragenen Form bestätigen, werden wir uns von dem Betroffenen trennen. Der Vorfall ist ganz und gar nicht mit unseren Werten zu vereinbaren. Wer so etwas sagt, für den ist bei der Ergo kein Platz." Inzwischen hat die Ergo Schinnenburg freigestellt, seinEintrag auf der Internetseite der Ergo war am Freitag nicht mehr aufrufbar.

Den kompletten mm-Report zu Ergo finden Sie im neuen manager magazin.

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